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Standpunkt – das magazin 2018

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Magazin zum Tag der Wirtschaft 2018

4 standpunkt -

4 standpunkt - das magazin «Wer nicht mit der Zeit geht ...» «Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.» Dieser Satz von Friedrich Schiller (1759-1805) könnte ein Leitmotiv über dem Thema des Tags der Wirtschaft sein: Es geht um «Megatrends». Wer diese nicht beachtet, wird den Anschluss verlieren nicht heute und morgen, aber längerfristig. Denn darum handelt es sich bei den Megatrends. Um längerfristige Entwicklungen, die nicht nach zwei, drei Jahren abgeschlossen sind, sondern über Jahrzehnte Einfluss auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft ausüben. So hat es der «Erfinder» des Begriffs Megatrends, der US-Futurologe John Naisbitt, 1982 definiert. Landrat Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland. Als einer der wichtigen Megatrends gilt die demographische Ent wicklung: Wir leben länger, bleiben bis ins hohe Alter aktiv, es kommen aber auch immer mehr Menschen hinzu. Damit eng zusammen hängen weitere wichtige Bereiche wie Gesundheit, Umwelt, Energie, Abfall/Recycling und damit verbunden wiederum die Kreislaufwirtschaft. Wie können sich unsere Unternehmen so aufstellen, dass sie für diese «Lawine in Zeitlupe» gewappnet sind? Wie gelingt es ihnen, langfristig von den Megatrends zu profitieren? Am Tag der Wirtschaft 2018 berichten hochkarätige Referentinnen und Referenten aus der Praxis. Sie sagen, wie sie die Megatrends in ihren Produkten und Dienstleistungen implementieren. Und sie zeigen Wege auf, wie sie ihre Unternehmen vor dem Hintergrund der Megatrends langfristig positionieren. Nachdem sich der Tag der Wirtschaft in den vergangenen Jahren den Entwicklungen «Internationalisierung» (2016) und «Digitalisierung» (2017) widmete, wird nun 2018 der Fächer geöffnet und das Thema Megatrends insgesamt beleuchtet. Dies ist heute notwendiger denn je. Denn es ist entscheidend, dass unsere Unternehmen mit der Zeit gehen sonst gehen sie mit der Zeit (frei nach Schiller).

5 «Aussenpolitik ist Innenpolitik» Herr Bundesrat Cassis, welches ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Megatrend? Ich sehe vor allem das Streben der Menschen nach Klarheit, Orientierung und Identität. Nach fast einem halben Jahrhundert bipolarer Welt stehen wir heute vor einer multipolaren Welt: Dazu kommt die Informations- und Kommunikations technologie, welche gewohnte Zeit- und Raumdimensionen vernichtet hat. Daraus wiederum resultieren: Globalisierung, Digitalisierung, Information aber auch Manipulation. Was bedeutet der Wechsel zu mehreren Polen? Es gibt nicht nur einen gültigen und von allen anerkannten Ordnungsrahmen. Kapitalismus als Wirtschaftsmodell ist nicht mehr eindeutig mit Demokratie verbunden. Das Beispiel China zeigt es. Gleichzeitig ist die Erde mit klimatischen Änderungen konfrontiert. Dies verstärkt die Migrationsflüsse und die mit ihnen verbundenen Fragen der Werte, der Nachhaltigkeit, der Machtverteilung, der Solidarität. Wo liegen dabei die grossen Herausforderungen? Neue Technologien bringen Chancen und Gefahren. Wie jede andere Revolution ist auch die digitale Revolution mit Ängsten verbunden. Die Globalisierung zeichnet eine neue Weltordnung. In vielen Gegenden der Welt schwelen Krisen und Konflikte oder sind Kriege im Gang. Die Sehnsucht nach Sicherheit und Verwurzelung steigt. Sichtbarer Ausdruck ist Bundesrat Ignazio Cassis. der verstärkte Blick auf die eigenen Grenzen: Nationalistische Töne werden lauter, auch in Europa. Welche Lösung sehen Sie? Mein Ansatz ist, die Unsicherheiten konstruktiv aufzunehmen: Fragen zu stellen, den Sachverhalt klären und dann zu entscheiden immer im Kontakt mit den Menschen in unserem Land. Deshalb meine Devise: «Aussenpolitik ist Innenpolitik». In einem direktdemokratischen Land muss auch die Aussenpolitik den Interessen und Bedürfnissen unserer Bevölkerung Rechnung tragen. Wenn die Menschen sich unsicher fühlen: Wie können wir dazu beitragen, Sicherheit und Eigenständigkeit unseres Landes zu schützen? Frieden und Stabilität in der Welt sind hierzu unentbehrlich. Wenn Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen herrscht: Auf welche Rahmen bedingungen müssen wir bilateral und international einwirken, damit unsere Wirtschaft im Ausland wett bewerbsfähig ist und die Wohlfahrt in der Schweiz gesichert werden kann? Wer hier lebt, soll ein Heimatgefühl haben können, in das auch eine nach aussen offene Schweiz passt weil sie auf einer starken und innenpolitisch abgestützten Aussenpolitik fusst. Wer ist gefordert? Wir alle! Unser politisches System will, dass wir alle «die Politik» sind. Wir müssen unsere Unsicherheit überwinden, Chancen und Gefahren mit kühlem Kopf analysieren und unsere Zukunft in die Hand nehmen. Natürlich kann die kleine Schweiz die Welt nur marginal beeinflussen. Aber dort, wo es möglich ist, sollten wir es tun. Und wo es nicht möglich ist, sollten wir versuchen, es möglich zu machen. Welchen Beitrag kann unser Land denn leisten? Wir müssen die Aussenpolitik mehr in die schweizerische Innenpolitik einbinden. Komplexe Themen sollen vereinfacht und verständlich erklärt und dann sachlich und breit diskutiert werden. Die unterschiedlichen Interessenlagen sollen nicht verteufelt, sondern als Pluralität der Meinungen akzeptiert werden. Auf internationaler Ebene ist es wichtig, dass wir Allianzen bilden mit Staaten oder Organisationen, die unsere Werte und Ziele teilen. Da die Welt sich entwickelt, müssen diese ständig überprüft werden. Wir müssen auch versuchen, die Stärken der Schweiz dort einzubringen, wo sie wirken können: Wo Dialoge nötig, Kompromisse gesucht oder der lokale Kontext in die Lösungsfindung eingebunden werden soll. In dieser Hinsicht gilt auch umgekehrt: Innenpolitik ist Aussenpolitik!

Standpunkt der Wirtschaft