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Standpunkt 540, 13. Mai 2022

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Standpunkt 540, 13. Mai

SCHWEIZERISCHE 13. Mai 2022 Die Zeitung für KMU | Regionalbund | Standpunkt-Ausgabe Nr. 540 | 25. Jahrgang AZA 4133 Pratteln Post CH AG DIE MEINUNG Wir brauchen einen Energieschub LIGA BASELBIETER STROMKUNDEN – An einem hochkarätig besetzten Anlass im Haus der Wirtschaft diskutierten Entscheidungsträger der regionalen Energieversorger mit Swissgrid-Experte Jörg Spicker über die Energiezukunft. Tempo für bezahlbaren Strom Von Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland Am letzten Montag durften wir im Haus der Wirtschaft einen hochinteressanten Event erleben. Die Führungskräfte der drei grossen regionalen Energieanbieter EBL, IWB und Primeo diskutierten mit dem Swissgrid-Experte Jörg Spicker über die vielschichtigen Probleme unserer künftigen Energieversorgung. Es war eindrücklich zu hören, in welch schwieriger Position sich die Schweiz derzeit in diesem existenziellen Bereich befindet. Viele Einflüsse wirken auf die Energielandschaft Schweiz ein. Es droht wegen der hängigen Zusammenarbeit mit der EU und zu geringer inländischer Produktion eine Strommangellage, trotzdem sollen Mobilität und Gebäudebeheizung in den nächsten Jahren verstärkt in Richtung Elektrizität steuern und den Bedarf weiter erhöhen. Die Strompreise jedoch schiessen gerade in die Höhe und befeuern die Inflation. Das passt so ganz und gar nicht zusammen. Wenn wir die Versorgungssicherheit und auch die Bezahlbarkeit von Energie in der Schweiz als wichtigen Standortvorteil mittel- und langfristig gewährleisten möchten, müssen wir die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs anerkennen. Dringlichkeit heisst aber nicht, dass man mit Schnellschüssen in alle Richtungen jeder Idee hinterherspringen muss, wie es etwa der Baselbieter Energieplanungsbericht Anfang Jahr tat. Wir brauchen einen gut überlegten und effizienten Gesamtplan mit deutlichen Schwerpunkten, nicht bloss staatlich einseitig gesteuerte Subventionen, sondern gute Rahmenbedingungen für private Investitionen, vordringlich mit verlässlichen und beschleunigten Planungs- und Bewilligungsverfahren. Für mich gehört es dazu, den Horizont breit zu halten. Die Fokussierung auf einzelne Technologien macht in einem Zeithorizont von drei Jahrzehnten wenig Sinn. Wir müssen offen bleiben für Entwicklungen und auch Bewährtes erhalten, wenn die Gesamtsituation keinen radikalen Umstieg zulässt. Wir müssen an technologie- und innovationsorientierten Lösungen arbeiten, die von der Bevölkerung – im Gegenklang zu den jüngsten Abstimmungen im Baselbiet – und von der Wirtschaft mitgetragen und vorangetrieben werden. Das ist herausfordernd, aber machbar. In jedem Fall aber der effizientere und zukunftsfähigere Weg. HEUTE IM STANDPUNKT 5 | INTERVIEW fenaco-Chef Martin Keller zur aktuellen Lage. 6 | VERKEHR Im STEP 2027 fehlen die Engpässe der A18. «Eine Strommangellage ist das grösste wirtschaftliche Risiko für die Schweiz.» Diese Erkenntnis des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz stand im Mittelpunkt des Impulsreferates von Swissgrid-Experte Jörg Spicker anlässlich eines Events der Liga Baselbieter Stromkunden am vergangenen Montagabend im Haus der Wirtschaft. Spicker nannte die grössten Herausforderungen für die Versorgungssicherheit in den kommenden Jahren: Die Füllstände der Speicherseen für die Wasserkraftnutzung in der Schweiz werden kleiner, Ausfälle oder Abschaltungen von Kernkraftwerken sind bislang nicht nachhaltig ersetzt und die Stromimporte aus dem Ausland sind durch das fehlende Rahmen- oder Stromabkommen mit der EU gefährdet. Gefährdung schon 2025 «Die operative Netzbetriebssicherheit und Versorgungssicherheit ohne Kooperation mit der EU wird spätestens 2025 gefährdet sein», legte Spicker dar und forderte deshalb neben politischen Bemühungen, ein solches Abkommen dringlich voranzutreiben, auch die Erhöhung von strategischen Reserven in der Schweiz und einen deutlichen Ausbau der inländischen Stromproduktion, denn die Anforderungen an den Verbrauch werden durch die zunehmende Elektrifizierung von Mobilität und Beheizung stetig wachsen, bis zu 40 Prozent, wie Experten voraussagen. Podium zur Energiezukunft mit (v.l.n.r.) Jörg Spicker (Experte Swissgrid), Cédric Christmann (Primeo Energie), Michael Köhn (Moderation), Tobias Andrist (EBL) und Claus Schmidt (IWB). Bild: Plüss «Bezahlbarer Strom ist ein zentraler Faktor für die Standortattraktivität der Schweiz», resümierte Christoph Buser, als Präsident der Liga Stromkunden Gastgeber des Anlasses im HDW (vgl. auch Kolumne links). Gemeinsam mit den CEO der drei regionalen Energieanbieter IWB, EBL und Primeo Energie forderte Buser deshalb eindringlich, dass die Planungs- und Bewilligungsverfahren für Elektrizitätsanlagen in der Schweiz markant vereinfacht und beschleunigt werden können. «Wir müssen technologieneutral Schwerpunkte setzen und private Initiativen ermöglichen und fördern», so Buser. Energieversorgung mit Priorität Die hohen Hürden bekamen alle Podiumsteilnehmenden schon zu spüren. Spicker berichtete von Netzanlagen im Wallis, die 32 Jahre brauchten bis zur Realisierung. Auch Windkraft, Solarenergie und der Ausbau der Wasserkraft, etwa mit der Erhöhung von Staumauern, sieht sich immer wieder Einsprachen und Verzögerungen gegenüber. «Wir müssen die Energieversorgung im Vergleich zu Natur- und Heimatschutzinteressen neu einordnen», fand Tobias Andrist, CEO der EBL. Cédric Christmann, Geschäftsführer von Primeo Energie, stellte für den geplanten Bau von Reserve- Gastkraftwerken in der Schweiz den Standort Muttenz in Aussicht. Und Claus Schmidt, CEO der IWB, schlug eine starke Initiative im Bereich Photovoltaik vor: «Damit können und müssen wir jetzt beginnen.» EVENT – Beim erstmals durchgeführten Frühjahrs-Apéro im Haus der Wirtschaft trafen sich Regierungs- und Landräte und Führungskräfte aus der regionalen KMU-Landschaft. Die Herausforderungen sind vielseitig – im Zentrum steht die Einsicht auf politischer Ebene, dass dringlicher Handlungsbedarf besteht und die Probleme von morgen heute schon angepackt werden müssen, um ungewünschte Entwicklungen zu verhindern. Die Liga Stromkunden setzt sich für bezahlbaren und verfügbaren Strom im Kanton Basel-Landschaft ein. Vor dem Event hielt sie ihre Mitgliederversammlung ab und agiert ab 2023 nicht mehr als Verein, sondern als Interessengemeinschaft mit einem Abonnements-Modell. Der Vorstand der Liga wurde bestätigt und mit FDP-Landrätin Christine Frey ergänzt. Daniel Schaub Seite 4 Gelöste Stimmung am Frühjahrs-Apéro Der Neujahrs-Apéro der Wirtschaftskammer Baselland musste aufgrund der Corona-Massnahmen im Januar noch ausfallen – auch deshalb hat sich der Wirtschaftsverband mit weiteren Unternehmen im Haus der Wirtschaft in Pratteln zusammengetan, um erstmals einen Frühjahrs-Apéro für Führungskräfte aus der regionalen Wirtschaft sowie Politikerinnen und Politiker aus dem Baselbiet zu organisieren. So traten die Archroma, die SBS AG, die IWF AG und die Bricks AG als Investorin des HDW gemeinsam als Eventpartnerinnen auf. Der Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser hielt sich bei seiner Begrüssungsansprache bewusst kurz, denn das Hauptziel des Events war der gegenseitige Austausch und viel Raum für persönliche Gespräche in einer guten Atmosphäre. Dies ist vollumfänglich gelungen, wie die zufriedenen und positiven Gesichter auf den Fotos und auf dem hergestellten Eventfilm zeigen. Die Köstlichkeiten aus der «BOOST eat & drink» Gastronomie und die drei Spirituosen-Varianten vom Gin-Wagen der IWF AG fanden rundum Anklang und sorgten bei milden Temperaturen für eine lockere Atmosphäre. Monica Gschwind und Dr. Anton Lauber vertraten die Baselbieter Regierung und vertieften ihre Beziehungen zu Wirtschaftsleadern wie etwa Heike van de Kerkhof von der Archroma AG, Philippe Druel von der Bricks AG, oder Landrätin Christine Frey, die mit ihrem Geschäftspartner Stefan Sick die SBS AG vertrat. Daniel Schaub Seite 3 Regierungsrätin Monica Gschwind mit bester Laune am erstmals durchgeführten Frühjahrs-Apéro im Haus der Wirtschaft. Bild: Uta Grütter

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