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Standpunkt 524, 2. Juli 2021

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Standpunkt 524, 2. Juli

SCHWEIZERISCHE 2. Juli 2021 Die Zeitung für KMU | Regionalbund | Standpunkt-Ausgabe Nr. 524 | 24. Jahrgang AZA 4133 Pratteln Post CH AG DIE MEINUNG Näher an die Normalität BERUFSBILDUNG – Der Kanton Basel-Landschaft will den Berufsunterricht der Land- und Baumaschinensowie der Motorgerätemechaniker ab 2022 von Liestal nach Zofingen verlegen. Dagegen wehren sich nun die ausbildenden Betriebe und der Dachverband AM Suisse Nordwest. Kritik gegen Berufsschulverlegung Von Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland Homeoffice ist eine Empfehlung, in den Restaurants dürfen wieder beliebig viele Leute zusammensitzen und Veranstaltungen können – unter gewissen Rahmenbedingungen – wieder stattfinden. Auch wenn wir noch nicht dort sind, wo wir vor Covid-19 waren: die jüngsten Entscheide des Bundesrates haben uns einen grossen Schritt näher an das normale Leben gebracht. Das ist zu begrüssen und ich hoffe sehr, dass es mit diesem pragmatischen Esprit weitergeht. Wir nehmen den Ball auf und gehen mit Tempo vorwärts. Nach langer Zwangspause hat im Juni bereits der erste Anlass der Wirtschaftskammer Baselland stattgefunden. Im Rahmen des Business Clubs sprach der bekannte Epidemiologe Marcel Tanner unter anderem über Covid-19 und gewährte den Anwesenden im Haus der Wirtschaft in Pratteln einen Einblick in die Arbeit der Task Force des Bundes. Es war spürbar: Ebenso wichtig wie der spannende und lebhafte Vortrag von Marcel Tanner war das Beisammensein und der gegenseitige Austausch. Wir sind laufend daran, weitere Anlässe für unsere Mitglieder zu organisieren und ihnen wieder die Möglichkeit zu bieten, sich zu treffen und interessante Momente zu verbringen. Leider können wir auch dieses Jahr unsere Lernenden nicht mit einem grossen Anlass feiern. Ich möchte deshalb auf diesem Weg nochmals und ausdrücklich allen von Herzen gratulieren, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Sie haben unter schwierigen Umständen eine ausserordentliche Leistung erbracht. Mein Dank geht auch an alle, welche den jungen Leuten eine Berufsausbildung ermöglichen und sich jeden Tag dafür engagieren. Das macht unsere KMU-Landschaft zu einer der besten überhaupt. Danke dafür! Und wenn wir schon in die Zukunft blicken und uns auf weitere Normalität freuen: Wir werden die Berufsschau 2021 wie geplant durchführen können. Unser Team hat hart gearbeitet und immer daran geglaubt, dass es möglich sein wird. Die Rückmeldungen bestätigen, dass das richtig war. Das Interesse an der Berufsschau ist sowohl aufseiten des Publikums wie auch aufseiten der Aussteller sehr gross. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Sommer und weitere erfolgreiche Schritte in die Normalität. HEUTE IM STANDPUNKT Das ist der letzte Standpunkt vor den Sommerferien. Die nächste Ausgabe erscheint am kommenden 13. August. 8 | WETTBEWERB Beim Sommerquiz locken BL-Cards als Gewinn. Das Schreiben der Bildungs-, Kulturund Sportredaktion (BKSD) des Kantons Basel-Landschaft vom 11. Mai 2021 hat es in sich. Ab August 2022 soll am Berufsbildungszentrum Baselland (BBZ) in Liestal der Berufsfachschulunterricht für Lernende im Bereich Landmaschinen-, Baumaschinen- und Motorgerätemechanik EFZ nicht mehr angeboten werden. Die Lernenden aus dem Baselbiet sollen künftig im Kanton Aargau, am Schulort Zofingen, ausgebildet werden. Argumentiert wird primär mit der absehbaren Pensionierung des bisherigen Fachlehrers Christian Schmid und mit der tiefen und stagnierenden Zahl an Auszubildenden in diesem Berufsfeld, auch unter Berücksichtigung, dass bisher auch die Lernenden aus dem Kanton Solothurn in Liestal beschult werden. Mirko Tozzo, CEO der in der Baubranche tätigen Tozzo Group in Bubendorf und Mitglied des Zentralvorstandes der Wirtschaftskammer Baselland, kann diesem Entscheid kaum Positives abgewinnen. «Wir spüren in diesem Beruf einen Fachkräftemangel, der Markt ist extrem trocken. Es ist ohnehin nicht einfach, Lernende zu finden und die Verlagerung des Schulstandortes wäre schlecht für uns und würde für die Lernenden eine zusätzliche Erschwernis bedeuten», sagt er. In diese Richtung stösst auch Benjamin Wüthrich, Technischer Leiter in der erweiterten Geschäftsleitung der RU- BAG Rollmaterial und Baumaschinen AG in Birsfelden: «Die Lehre würde stark an Attraktivität verlieren. Es ist im Interesse der Lernenden, dass die Berufsschule in Liestal bleibt.» Wachsender Widerstand Die Kritik am Entscheid ist inzwischen breit abgestützt. Die RUBAG Dinah Hueber absolviert bei der RUBAG in Birsfelden ihre Lehre als Baumaschinenmechanikerin. Ihre Nach folger sollen nicht mehr in Liestal, sondern in Zofingen in die Berufsschule. Bild: Fritz Schwendemann hat gemeinsam mit 24 weiteren Unternehmungen ein Protestschreiben an die Hauptabteilung Berufsbildung der BKSD gerichtet, in dem der Schulweg nach Zofingen als unzumutbar bezeichnet wird und ein Grund dafür sein könnte, dass junge Menschen von einer Ausbildung in diesem Bereich absehen. Im Schreiben wird gefordert, dass der Entscheid rückgängig gemacht wird. Als Option wird eine Zusammenlegung der rund 10 Lernenden in diesem Berufsfeld mit den Auto- oder Lastwagenmechanikern angeregt. Der Kanton hat auf das Schreiben reagiert und für heute Freitag, 2. Juli, zu einer Aussprache eingeladen. «Wir glauben an den Schulstandort Liestal und sind bereit, in Zukunft genügend Lernende zu beschäftigen, um die Klassengrösse zu gewährleisten», heisst es im breit abgestützten Schreiben. Auch Tozzo plant nach dem Ausbau seiner Werkstatt die Schaffung eines Ausbildungsplatzes. «Es braucht nun auch seitens der Ausbildungsbetriebe alle Anstrengungen, um wieder mehr Leute für diesen Beruf zu motivieren. Die Nachfrage in der Wirtschaft ist durchaus vorhanden», so Mirko Tozzo. Peter Meier, Präsident des für die Agrotec-Berufe zuständigen Dachverbandes AM Suisse Nordwest, stört sich primär an der Kommunikation der Massnahme: «Wir wurden vom Kanton vor vollendete Tatsachen gestellt und zuvor weder informiert noch konsultiert, auch nicht zu alternativen Standorten, die es zum Beispiel mit Langenthal geben würde. Mit einem Schulort Zofingen müssten hingegen auch die überbetrieblichen Kurse, die bislang im Nationalen Bildungszentrum in Aarberg stattfinden, verlegt werden.» Meier beklagt, dass AM Suisse vonseiten des Kantons nie über die Zukunftsaussichten dieser Berufe befragt worden sei und die nun kommunizierte Massnahme ohne jegliche Abklärungen beim zuständigen Berufsverband erfolgt sei. Schreiben an Regierungsrätin Die Wirtschaftskammer Baselland hat vor einer Woche mit einem Schreiben bei der zuständigen Regierungsrätin Monica Gschwind interveniert und ihre Bedenken und ablehnende Haltung zu diesem Entscheid formuliert. «Für die Berufsbildungslandschaft im Baselbiet ist es ein schlechtes Signal, wenn wir bestehende Fachschulangebote in andere Kantone ausgliedern», sagt Direktor Christoph Buser. ds LEHRABSCHLUSS – Dieser Tage haben über tausend Jugendliche im Baselbiet ihre Lehre abgeschlossen. Die Wirtschaftskammer gratuliert den Lernenden und bedankt sich bei allen, die in der Berufsbildung tätig sind. Die Wirtschaftskammer gratuliert und sagt Danke Auch dieses Jahr haben die Massnahmen, die zur Bekämpfung des Coronavirus ergriffen werden mussten, die Lehrabschlussprüfungen beeinträchtigt. Nichtsdestotrotz haben mehr als tausend Jugendliche dieser Tage ihre Berufslehre erfolgreich abgeschlossen. «Angesichts der erschwerten Umstände gratulieren wir den Jugendlichen ganz besonders zum erfolgreichen Abschluss», sagt Urs Berger, stv. Direktor der Wirtschaftskammer Baselland und Leiter Berufsbildung. Die KMU Lehrbetriebsverbunds AG hat für ihre Lernenden zwar eine kleine Feier veranstaltet, aber die Abschlussfeiern an den Schulen und die von der Wirtschaftskammer organisierte Rangfeier fielen dieses Jahr wegen Corona wiederum aus. Die Wirtschaftskammer möchte es trotzdem nicht unterlassen, den jungen Berufsleuten zu ihrem Abschluss zu gratulieren. Sie tut dies mit einem Inserat in diesem Standpunkt. Dank an alle in der Berufsbildung Die Abschlussfeiern bieten jeweils auch Gelegenheit, allen an der Berufsbildung beteiligten Personen Wertschätzung zu zeigen. «Sie alle haben dieses Jahr einen besonders grossen Dank verdient», sagt Urs Berger. Nur dank ihnen sei es möglich, dass die Wirtschaft über genügend beruflichen Nachwuchs verfüge. Der Dank der Wirtschaftskammer geht an die Ausbildnerinnen und Ausbildner in den Lehrbetrieben, an die Chefexpertinnen und Chefexperten, die Expertinnen und Experten sowie an die Prüfungsleitungen in der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion von Regierungsrätin Monica Gschwind, und auch an die Berufsfachschulen, die ÜK-Leitungen und an alle Vertreter der Organisationen der Arbeit. Reto Anklin Seiten 2,3 A pplaus, applaus!

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