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Standpunkt 517, 5. März 2021

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Standpunkt 517, 5. März

SCHWEIZERISCHE 5. März 2021 Die Zeitung für KMU | Regionalbund | Standpunkt-Ausgabe Nr. 517 – 24. Jahrgang AZA 4133 Pratteln Post CH AG DIE MEINUNG In die Nähe von Normalität kommen CORONAVIRUS – Die Läden sind seit Montag wieder offen, die Restaurants können als «Beizen für Büezer» eine neue Einnahmequelle erschliessen, das Massentestprogramm und die Härtefallhilfe im Baselbiet laufen. Mit Aussichten ins zweite Jahr Von Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland. Noch nie wurden in der Schweiz so viele Firmen gegründet wie im Jahr 2020. 46 842 neue Unternehmen haben sich im Coronajahr neu im Schweizer Handelsregister eintragen lassen. Das sind 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie kann man das interpretieren? Ich bin der festen Überzeugung, die Schweizer Wirtschaft strahlt trotz der Umstände und nach wie vor aussergewöhnliche Stärke, viel Schaffenskraft und Innovationsgeist aus. Ein Eindruck, den im vergangenen Jahr auch die «Swiss Innovation Challenge» hinterlassen hat, mit einer Rekordteilnehmerzahl und mit beeindruckenden Projekten. Ich bin nach ersten Gesprächen und Beobachtungen sicher, dass sich dieser Trend bei der diesjährigen «Swiss Innovation Challenge» fortsetzt. Diese Stärke, die Schaffenskraft und den Innovationsgeist darf man ganz allgemein auch der KMU-Wirtschaft unserer Region attestieren. Sie hat sich in den vergangenen zwölf Pandemie- Monaten im Vergleich zu anderen Kantonen sehr gut gehalten, wie verschiedene Erhebungen zeigen. Sie ist auch überaus robust, darauf kann man bauen. Unsere KMU stellen nicht einfach nur Forderungen, sie nehmen ebenso ihre Verantwortung wahr, wie die eben angelaufenen Massentests im Kanton Basel-Landschaft zeigen. Jeden Tag melden sich neue Unternehmen an, die an diesem Projekt «Breites Testen Baselland» teilnehmen wollen – und das ist gut so. Denn es ist essenziell, die Corona-Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen und vor allem diejenigen Menschen zu finden, die ohne Symptome sind und somit unwissentlich die Krankheit verbreiten. Mit den Massentests kann verhindert werden, dass viele Menschen in Quarantäne müssen, Firmen oder gar ganze Branchen geschlossen werden müssen. Die flankierenden Massnahmen – Massentests und Impfungen – sind notwendig, um den nun erlebten und nicht zielführenden Effekt «Laden-auf-Laden-zu» zu durchbrechen. Denn die Wirtschaft will wieder mehr Handlungsfreiheit, die Unternehmerinnen und Unternehmer wollen Dinge (wieder) möglich machen. Vor allem leisten sie und ihre Mitarbeitenden mit ihrem Engagement auch einen aktiven Beitrag dazu, dass unsere Gesellschaft wieder in die Nähe von Normalität kommen kann. HEUTE IM STANDPUNKT 6 | SVIZRA27 Die alt Bundesrätin Doris Leuthard spricht über das Landesausstellungsprojekt. 7 | INNOVATION Jetzt anmelden zur Swiss Innovation Challenge. 8 | HOMEOFFICE Homeofficepflicht birgt auch Gefahren. Ende Februar war es ein Jahr her, seit der erste Corona-Fall im Kanton Basel-Landschaft erfasst worden war. Seither befindet sich der Kanton, mit einer kurzen Verschnaufpause im vergangenen Sommer, im Krisenmodus. Nach der Wiedereröffnung aller Detailhandelsgeschäfte und einzelner Freizeit- und Kulturangebote am vergangenen Montag kehrt wieder ein Stück Normalität zurück, noch aber mit starken Einschränkungen und geschlossenen Restaurants. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein in der weiteren Entwicklung der Pandemie. Insbesondere muss die Impfkampagne, die aufgrund von grossen Lieferengpässen der Anbieter schleppend gestartet ist, dringend in Gang kommen, andererseits werden Massentests an Bedeutung gewinnen. Lauber: Testen und Impfen «Wir müssen aufhören, uns über die Öffnung von Skiterrassen zu streiten, sondern müssen über das Testen und das Impfen reden. Das gibt uns Perspektiven, denn diese beiden Themen ermöglichen uns, ab dem Sommer wieder zu einem normaleren Leben zurückzukehren», sagt der Baselbieter Regierungspräsident Anton Lauber im Interview mit dem Standpunkt (siehe Seite 3). Lauber ist zufrieden mit dem Verlauf der Baselbieter Härtefallhilfe. Diese Woche wurde eine weitere Tranche an Beiträgen ausbezahlt. Seit dem Start sind 300 Gesuche mit einem Volumen von rund 18 Millionen Franken abgewickelt worden. Im Baselbieter Härtefall-Programm stehen insgesamt 155 Millionen Franken zur Verfügung, eventuell erweitert sich die Summe noch, falls der Bund weitere Mittel beschliessen Ana Maria Rodriguez von Huber Schuh in Muttenz freut sich, dass ihr Laden seit Montag wieder geöffnet ist. Bild: Vernarelli sollte. Lauber geht in den Planungen von insgesamt rund 2000 Gesuchen im Baselbiet aus und sagt: «Alle, die einen berechtigten Anspruch auf eine Härtefallhilfe haben, sollen diese auch erhalten.» Massentests bei Unternehmen Nach dem Start des Baselbieter Massen test-Programms in den Schulen und bei der Baselbieter Polizei werden nun erste Unternehmungen mit eingebunden. Das Echo der KMU ist sehr positiv, bereits sind rund 5000 Arbeitnehmende eingebunden, täglich gehen weitere Meldungen von Firmen ein. Die AutoBus AG Liestal hat sich diese Woche definitiv entschlossen, sich zu beteiligen. «Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, aber das Programm hilft uns auch im Sinne der innerbetrieblichen Abläufe», sagt Geschäftsführer Roman Stingelin. Im Zentrum stehe, asympto matische Personen, die das Virus in sich tragen, frühzeitig identifizieren und so weitere Übertragungen innerhalb der Firma reduzieren zu können. «Wir können nur gewinnen», sagt Stingelin, der den Aufwand für die Beteiligung von Firmen an diesem Programm als «minim» bezeichnet. «Beizen für Büezer» Das Bundesamt für Gesundheit kommunizierte in der vergangenen Woche, dass die Kantone ab 1. März 2021 Restaurants als «Betriebskantinen» führen dürfen. Damit folgt die Amtsstelle der Forderung «Beizen für Büezer». Die Restaurants im Basel biet müssen nun wöchentlich bis Freitagabend jene Firmen melden, die gedenken, ihre Mitarbeitenden in der Folgewoche in die Restaurant- Kantine zu schicken. Das Restaurant selber muss sein bestehendes Schutzkonzept anwenden und die effektiv anwesenden Personen erfassen. Spontane Restaurantbesuche sind ohne «Vorregistrierung» der Arbeitgeber nicht möglich. Das Angebot ist auf Arbeitnehmende aus dem Bauhaupt- und Nebengewerbe, landund forstwirtschaftliche Betriebe und Betriebe aus dem Gartenbau sowie auf Servicemontage-Unternehmen beschränkt. Ausserdem kann nur zwischen 11 und 14 gegessen werden. Im Baselbiet hat die Regierung am Dienstag mit einer Allgemeinverfügung die Grundlagen für das Angebot geschaffen – die Restaurantbetreiber können nach entsprechender Meldung bis heute Freitagabend ab Montag mit der Umsetzung starten. Daniel Schaub Seiten 2–5, 8, 9 www.bl.ch/coronavirus www.coronavirus.kmu.org ABSTIMMUNGEN – Am Wochenende geht es um die Revision der Gesetze über die Bekämpfung der Schwarzarbeit und über die Arbeitsmarktaufsicht. KMU-relevant sind auch E-ID und Indonesien-Abkommen. Letzte Gelegenheit, seine KMU-Stimme abzugeben Für eine briefliche Stimmabgabe ist es bei Erscheinen dieses Standpunkts zu spät, aber die Urnen sind noch geöffnet. Der persönliche Gang ins Stimmlokal lohnt sich. Auf kantonaler Ebene wird über die Revision des Gesetzes über die Bekämpfung der Schwarzarbeit (GSA) und über die Revision des Arbeitsmarktaufsichtsgesetzes entschieden. Auf nationaler Ebene geht es um das Gesetz für eine elektronische ID (E-ID) und um die Genehmigung des «Umfassenden Wirtschaftspartnerschaftsabkommens zwischen den EFTA-Staaten und Indonesien». Für alle vier Vorlagen hat der Wirtschaftsrat, das Parlament der Wirtschaftskammer, die Ja-Parole beschlossen. Forderungen der Wirtschaft erfüllt Die Gesetzes revisionen bei der Arbeitsmarktkontrolle hatte die Basel bieter Regierung angestossen, um dem Kanton mehr Handlungsspielraum und finanzielle Steuerungskompetenz bei der Arbeitsmarktaufsicht und in der Ausgestaltung von Leistungsvereinbarungen mit Drittorganisationen zu eröffnen. Die vorliegenden Revisionen erfüllen nach Ansicht des Wirtschaftsrats die Forderungen der Wirtschaft. Die Vergabe der Kontrolle an die Sozial partner bleibt gesetzlich verankert. Auch die Finanzierung bleibt im bisherigen Rahmen. Nicht zuletzt bleiben die Kontrollen für das Baugewerbe gesetzlich verankert. Ein Ja zum EID-Gesetz macht die Internetnutzung für Personen einfacher und sicherer, Unternehmen und Behörden sind vor Identitätsbetrug und Falschangaben besser geschützt, Verwechslungen werden verhindert, und das Online-Angebot kann massgeblich erweitert werden. Freihandel mit Indonesien Das Freihandelsabkommen mit Indonesien eröffnet den Schweizer KMU neue Möglichkeiten, wie Richard Weber, CEO der REGO-FIX AG und Mitglied des Zentralvorstands der Wirtschaftskammer, im Standpunkt vom vergangenen 5. Februar sagte. Nicht KMU-relevant, weshalb der Wirtschaftsrat keine Parolen gefasst hat, sind die kantonale Gesetzesinitiative «Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren» und auf eidgenössischer Ebene die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot». Auch für sie lohnt sich der Gang ins Stimmlokal. Reto Anklin

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