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Standpunkt 515, 5. Februar 2021

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Standpunkt 515, 5. Februar

SCHWEIZERISCHE 5. Februar 2021 Die Zeitung für KMU | Regionalbund | Standpunkt-Ausgabe Nr. 515 – 24. Jahrgang AZA 4133 Pratteln Post CH AG DIE MEINUNG Dinge wieder möglich machen CORONA-PANDEMIE – Im Baselbiet laufen seit dieser Woche erste Umsetzungsschritte eines neuen Massentestkonzepts. Die Regierung hat am Dienstag ein Kostendach von 14 Millionen Franken bewilligt. Das Baselbiet im Massentest Von Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland. Wenn man nicht plant, plant man zu scheitern. Dieses Zitat von Benjamin Franklin steht zuvorderst im Pandemieplan der Schweiz. An diesem Plan wurde seit 1995 gearbeitet, bis die aktuelle Version 2018 veröffentlicht und 2020 aus der Schublade gezogen wurde. Mit Corona war genau das passiert, worauf man sich 23 Jahre lang vorbereitet hatte: eine Influenza- Pandemie. Leider hat diese die schönen Worte, die im Plan zu lesen sind, ad absurdum geführt. Im Kontext der letzten 12 Monate klingen Sätze wie «Diese Vorbereitung stellt sicher, dass die Schweiz für eine Pandemie jeglichen Schweregrades hinreichend gerüstet ist» bestenfalls wie nicht eingehaltene Versprechen. Auf den 128 Seiten in diesem Plan wird viel geplant. Es wird auch in ein paar wenigen Sätzen erwähnt, dass es Veranstaltungsverbote geben kann und dass öffentliche und private Unternehmen geschlossen werden können. Was diese Massnahmen für weitreichende Folgen haben und wie man mit diesem umgehen könnte, ist leider nicht nachzulesen. Vielleicht hat man ganz einfach nicht an die Konsequenzen gedacht oder war ihrer nicht bewusst. Es ist symptomatisch für vieles, was wir erlebt haben: Es werden Massnahmen verfügt, aber es fehlen die Perspektiven. Auch jetzt müssen wir darüber nachdenken, wie man Dinge wieder ermöglichen kann. Denn alle Massnahmen haben zum Ziel, die Menschen und ihre Lebensumstände zu schützen. Dazu gehört ebenso, der Wirtschaft wieder ein maximales Mass an Handlungsfreiheit zu ermöglichen und die Existenz der Menschen zu sichern – der Menschen, die in Ausbildung sind, Unternehmen führen, Angestellte haben und Rechnungen bezahlen müssen. Mit der Härtefallhilfe sind wir zurzeit auf dem richtigen Weg, angemessen Schadenersatz zu leisten. Ein weiteres Mittel, um Menschen und Wirtschaft zu schützen, können die Massentests sein, die nun im Baselbiet starten. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass alles, was den KMU hilft und unsere wirtschaftliche Handlungsfreiheit erhält, prüfenswert und gut ist. Denn nach einem Jahr Pandemie-Betrieb sind Perspektiven mindestens so wichtig wie Schutz. HEUTE IM STANDPUNKT 3 | ABSTIMMUNG Ein doppeltes Ja zur Revision der Arbeitsmarkt- und Schwarzarbeitsgesetze. 7 | KGIV Mobilitätskampagne wird 2021 fortgeführt. 9 | CORONA KMU-Härtefallhilfe steigt auf 132,25 Mio. Franken. Über die Hälfte der Übertragungen mit dem Coronavirus erfolgen durch asymptomatische Personen oder solche mit sehr wenigen Symptomen. Von Menschen also, die sich gesund fühlen und von einer Ansteckung mit dem Virus nichts ahnen. Unter diesen Umständen lassen sie sich nicht testen, können aber weitere Menschen anstecken. Massentests sind eine gute Form, um diese asymptomatischen Personen zu identifizieren. Und seit dem Bundesrats beschluss vom 27. Januar dieses Jahres werden vom Bund auch Mittel bereitgestellt, um solche Massen testprogramme in den Kantonen zu finanzieren. Im Kanton Basel-Landschaft befasst man sich schon seit einiger Zeit mit einem Massentestprojekt. Der kantonale Krisenstab (KKS) hat am vergangenen 18. Januar einen Stabsarbeitstag zum Thema durchgeführt und die nötigen Vorbereitungen für sein «Casefinding Programm» mit verschiedenen Partnern konkretisiert. Ziel ist es, in den nächsten Monaten bis im Sommer rund 50 000 Menschen im Baselbiet wöchentlich einem validierten Speicheltest auf PCR-Basis zu unterziehen, so dass bis Ende Juli dieses Jahres rund 1,3 Millionen Tests zusammenkommen werden. Die Beteiligten werden aus Schulen, Firmen, weiteren Institutionen wie etwa der Polizei Basel-Landschaft sowie Altersund Pflegeheimen rekrutiert. Bessere Pandemie-Kontrolle «Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Massentestprogramm die Fallzahlen weiter senken und die Pandemie damit besser kontrollieren können», sagt Michael Feller, Stabschef im kantonalen Krisenstab. Sein Team hat diese Woche begonnen, sämtliche Schülerinnen und Schüler der Gemeinde Oberwil – insgesamt rund 3000 Personen – zu testen. Ziel ist es, insgesamt rund 25000 Schülerinnen und Schüler in das Testprogramm einzubinden. Die andere Hälfte setzt sich aus Institutionen und Unternehmungen zusammen, die akquiriert werden müssen. Es werden zwei Gruppen unterschieden. Kleinere Betriebe mit maximal 50 Personen werden über die Baselbieter Apotheken abge wickelt, grössere mit mindestens 50 Mitarbeitenden organisieren sich selbstständig und verfügen über eigene Abholpunkte für die Tests. Im Pool-System Jeweils acht Tests werden in einen Pool zusammengefasst, wobei das Pooling-System bei den kleineren Firmen in der Apotheke angewendet wird und somit auch Proben aus verschiedenen Kleinbetrieben zusammengeführt werden können. Noch am selben Tag wird im Labor Biolytix in Witterswil das Testergebnis ermittelt und binnen vier Stunden kommuniziert. Die Speichelproben aus den Pools des Baselbieter Massentest-Programms werden im Witterswiler Labor Biolytix untersucht. Binnen vier Stunden sind die Testpersonen informiert. Bild: zVg Ist ein Pool positiv, werden alle acht beteiligten Personen per SMS informiert und müssen noch am selben Tag nochmals eine Speichelprobe abgeben, um die Person(en) zu identifizieren, die effektiv positiv ist oder sind. Um das zu bewältigen, werden neben dem bestehenden kantonalen Testzentrum in der Feldreben Muttenz weitere Teststationen, unter anderem in Laufen und Sissach, eingerichtet. Diese Tests werden dann im Labor von Viollier untersucht. Involviert in das Gesamtprojekt ist auch die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), die schon seit Mitte Januar testet (vgl. Box unten). «Die Teilnahme an den Massentests ist für die beteiligten Firmen unkompliziert und dank dem Pooling verhältnismässig günstig», sagt Feller. Die finanzielle Unterstützung durch den Bund ist von einem Grobkonzept abhängig, welches der Kanton an das Bundesamt für Gesundheit einreichen muss. Die angepasste Covid-19-Verordnung 3 sieht vor, dass «die asymptomatische Testung zum Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen sowie in Situationen mit erhöhtem Übertragungsrisiko zu fördern und zu finanzieren» sei. Das betrifft etwa Angestellte eines Supermarkts oder im Baselbiet WIE FUNKTIONIERT DER SPEICHELTEST? Der PCR-basierte Speicheltest wird seit dem 18. Januar 2021 mit Studierenden der Hochschule Life Sciences im Rahmen ihrer Laborpraktika regelmässig angewendet. Götz Schlotterbeck, Verantwortlicher für dieses Projekt an der FHNW, erklärt: «Das Verfahren ist einfach: Die Studierenden erhalten ein Selbsttest-Kit mit einem kleinen Fläschchen mit Kochsalzlösung, das sie mit nach Hause nehmen. Die Flüssigkeit muss am Morgen nach dem Aufstehen beispielsweise die Baubranche, in der aufgrund der Erfahrungen aus dem Contact Tracing verstärktes Ansteckungsrisiko besteht. Feller geht davon aus, dass ein Grossteil des Baselbieter Kostendachs von rund 14 Millionen Franken, das die Regierung am Dienstag beschlossen hat, durch den Bund mitfinanziert wird. Erfahrungen in Graubünden Basis für das Baselbieter Massentestprogramm sind die Erfahrungen aus dem Kanton Graubünden, wo schon Mitte Dezember letzten Jahres erste Massentests durchgeführt worden sind. Die Erfahrungen sind positiv, insbesondere dann, wenn über mehrere Wochen Nachtests erfolgen, wie etwa in der Region Bernina, in der die symptomatischen Fallzahlen fast auf null zurückgebracht werden konnten. Im Baselbiet ist man deshalb überzeugt, dass das nun erarbeitete Konzept greifen kann, einen wesentlichen Beitrag zur schnelleren Eindämmung der Covid- 19-Pandemie leistet, einen Beitrag zur frühzeitigen Erkennung von lokalen Infektionsausbrüchen leistet und hilft, stärker einschränkende Massnahmen mit jeweils entsprechenden Kollateralschäden zu verhindern. In Graubünden schätzt der Kanton, dass ein harter Lockdown 15 Sekunden lang im Mund verteilt und anschliessend in das Teströhrchen gespuckt werden.» Nach der Ablieferung wird die Probe von Biolytix, einem Speziallabor für molekularbiologische und mikrobiologische Analytik in Witterswil, analysiert und ausgewertet. Anschliessend werden die Testpersonen innerhalb von vier Stunden per SMS über das Resultat informiert. Die Resultate des PCR-basierten Speichel tests gegenüber einem intensiven Massentestprogramm rund 18-mal mehr Kosten verursachen würde. Vorteile für die Betriebe Für die Betriebe ergibt sich der Vorteil, dass asymptomatische Personen identifiziert und isoliert werden können und so Ansteckungen innerhalb der Firma und damit zusätzliche Arbeitsausfälle oder sogar Betriebsschliessungen verhindert werden können. In den Schulen kann das Ziel, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten, wirksam unterstützt werden. Nach den ersten Vortestläufen ab dieser Woche – seit gestern Donnerstag werden etwa auch 250 Basel bieter Polizistinnen und Polizisten und einige Kleinfirmen in der Umgebung in der Apotheke Gelterkinden getestet – soll per 15. Februar die erste akquirierte Gruppe von rund 10 000 Personen mit Massentests beginnen. Wöchentlich soll danach die Anzahl der beteiligten Personen um jeweils 10 000 gesteigert werden, bis Ende März die Zielgrösse von 50 000 Personen erreicht ist. Die Verfügbarkeit der Tests ist «kein kritischer Punkt», bestätigt Feller. Das Baselbiet gehört zu den ersten Kantonen in der Schweiz, die jetzt schon mit der Umsetzung beginnen können. Daniel Schaub sind genauso präzise wie diejenigen des herkömmlichen Antigen-Schnelltests mittels nasalem Abstrich. Der Test ist aber wesentlich angenehmer für die Testpersonen. Mit dem sogenannten Poolverfahren werden zudem mehrere Proben gleichzeitig analysiert, was die Effizienz enorm steigert. Nur bei positivem Ergebnis werden die Proben im Anschluss einzeln untersucht, was Testmaterial und Laborkapazitäten spart. FHNW

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