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Standpunkt 514, 22. Januar 2021

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8 | Standpunkt der Wirtschaft BERUFSBILDUNG 22. Januar 2021 BERUFSSCHAU 2021 – Zum 13. Mal findet vom 27. bis 31. Oktober 2021 die Baselbieter Berufsschau in Liestal statt. Eine besondere Herausforderung stellt das umfassende Schutzkonzept betreffend Covid-19-Massnahmen dar. «Wir leisten einen grossen Effort» Die Baselbieter Berufsschau ist ein Erfolgsmodell. Nach der Premiere 1996 wird sie seit 2001 im Zweijahres­ Rhythmus durchgeführt. Sie ermöglicht Schülerinnen und Schülern der 7., 8. und 9. Klasse einen repräsentativen, praxisnahen, attraktiven, erlebbaren und digitalen Einblick in die Berufswelt. «Die Berufs schau hat sich als wichtiges Schlüsselelement und Bindeglied in der kantonalen Bildungslandschaft etabliert», sagt Urs Berger, stellvertretender Direktor der Wirtschaftskammer Baselland und Leiter der Berufs- und Weiterbildung. Das Bedürfnis für die Berufsschau ist da, wie eine Umfrage nach der Auflage 2019 unterstreicht: Lehrpersonen und Aussteller erteilten dem Event gute bis sehr gute Noten und erachteten ihn als «äusserst hilfreich in der Entscheidungsfindung zur Berufswahl junger Leute». Erste Informationen im Februar Schon seit einigen Monaten laufen die Vorbereitungen für die Berufsschau 2021, die vom 27. bis 31. Oktober auf dem Aussenareal des Frenken bündten-Schulhauses in Liestal stattfinden wird. Aktuell läuft der finale Anmeldeprozess, am 1. Februar sollen die Aussteller bei einer ersten Informationsveranstaltung auf den Anlass eingestimmt werden. Die Berufsschau 2021 wird wiederum partnerschaftlich durch die Wirtschaftskammer Baselland, den Kanton, das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und die Stadt Liestal getragen werden. Das Gesuch für eine entsprechende Leistungsvereinbarung ist derzeit in Bearbeitung. Schutzkonzept mit sechs Pfeilern Eine enorme Herausforderung bilden bei der Auflage 2021 die Umstände der Corona-Pandemie. Das Organisationsteam um Urs Berger hat ein umfassendes Schutzkonzept erstellt, das einen grösstmöglichen Gesundheitsschutz für alle Beteiligten gewährleistet. Es basiert im Wesentlichen auf sechs Pfeilern: 1. Zugang Veranstaltungsgelände und Aufnahme von Kontaktdaten: Eingangszone, Ausgangszone, Sammelpunkte und Leitsysteme; Zugangs- und Eingangskontrolle, Ausgangskontrolle; konsequente Registrierung von Gruppen und Einzelpersonen. 2. Schutzmaterial und Hygiene: Körpertemperaturmessung beim Eintritt, Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske und Schutzhandschuhen, Zonen für Desinfektion und Aus-/Nachrüstung mit Schutzmaterial. 3. Abstand halten und Schutzabgrenzungen: Leitsystem, Bodenmarkierungen zur Einhaltung des Abstands, Schutz- und Trennscheiben, bauliche Schutzmassnahmen im Ausstellungsbereich; Massnahmen Restauration; Massnahmen sanitäre Anlagen. 4. Reinigung und Entsorgung: Plan für regelmässige Zwischenreinigung, Plan für regelmässige Leerung und Reinigung der Abfallbehälter. 5. Information und Management: Informationen, Beschriftungen und Markierungen, Informations- und Kommunikationseinrichtungen, Informationssystem und Steuerung. 6. Überwachung und Vorfälle: Informations- und Sicherheitszentrale, zentrale Überwachung der Sicherheit und Einhaltung der Schutzmassnahmen, Sicherheitskontrollen (stationär und mobil). Für die Berufsschau 2021 sollen keine Innenräume der Schulanlage Frenken bündten genutzt werden. «Die gesamte Berufsschau wird eigens nach unseren Bedürfnissen in einer Zeltlandschaft gebaut. Mit einem verstärkten Belüftungssystem in den Veranstaltungslokalitäten leisten wir einen grossen zusätzlichen Effort im Bereich der Schutzmassnahmen», sagt Urs Berger. Er schätzt den zusätzlichen Aufwand für die im Schutzkonzept vorgesehenen Massnahmen auf rund eine halbe Million Franken. Dieses Geld soll über ein Pilotprojekt beschafft werden, das Gesuch ist bereits gestellt. Der Chef der Berufsschau bleibt optimistisch, dass die Berufsschau Ende Oktober 2021 physisch durchgeführt werden Urs Berger, stv. Direktor der Wirtschaftskammer, Leiter Berufsbildung und OK-Chef der Berufsschau. Bild: Archiv kann. Weite Teile des Schutzkonzeptes kämen auch dann zum Tragen, wenn die Anforderungen des BAG und der kantonalen Behörden dannzumal weniger weit gehen würden als aktuell. Sollte sich die epidemiologische Lage bis zum geplanten Ausführungstermin dennoch negativ entwickeln, kann bis in den August 2021 mit einem Entscheid zur definitiven Durchführung abgewartet werden. Im Falle einer Absage besteht bereits ein Konzept für eine digitale Version der Baselbieter Berufsschau. Aber dieses Dokument soll wenn immer möglich in der Schublade bleiben. Daniel Schaub www.berufsschau.ch PUBLIREPORTAGE Ausstände eintreiben Liquiditätsmanagement in Zeiten von Corona Die Coronakrise hat die Wirtschaft ins Schlingern gebracht. In diesen schwierigen Zeiten lohnt es sich, das Unternehmen bis in den hintersten Winkel nach Schwachstellen zu durchleuchten. Das gilt auch für das Liquiditätsmanagement. Die staatlichen Massnahmen zur Stützung der Wirtschaft haben Wirkung gezeigt. Im vergangenen Jahr wurden rund ein Achtel weniger Konkurse gezählt. Doch das dürfte nur die Ruhe vor dem Sturm sein. Denn die Überbrückungskredite wurden weitgehend mit der Giesskanne gewährt. Die einzige Bedingung war für die meisten Betriebe leicht zu schaffen: Die Unternehmen durften mit Stichtag 31. Dezember 2019 nicht in Liquidation oder Nachlassstundung sein. So sind sicher auch Firmen zu Geld gekommen, die schon vor der Pandemie in Zahlungsschwierigkeiten waren. Creditreform rechnet für dieses Jahr mit deutlich mehr Konkursen. Ein Anstieg um 40 bis 50 Prozent ist möglich. Es könnte also einiges auf Gläubigerinnen und Gläubiger zukommen. Die schlimmste Wirtschaftskrise seit fünf Jahrzehnten trifft fast jedes Unternehmen. Wer die uralte Regel «Spare in der Zeit, so hast du in der Not» beherzigt hat, wird die schweren Turbulenzen überstehen. Doch diese Reserven binden auch Kapital, das nicht investiert und somit auch nicht für das Wachstum des Unternehmens verwendet werden kann. Hier kommt es auf ein gutes Gleichgewicht an. Dafür zu sorgen, ist eine der Aufgaben der Liquiditäts managerinnen und -manager. Dazu gehört auch das Debitorenmanagement. Es wird allzu oft vernachlässigt. Das rächt sich in Krisenzeiten. Marco Zuberbühler, Mitglied der Geschäftsleitung, Creditreform Egeli Basel AG. Teure Konkursverfahren Unabhängig von der Pandemie tun sich Gläubiger schwer, ihre Forderungen durchzusetzen, weil es für die Beseitigung des Rechtsvorschlages an einer Schuldanerkennung mangelt. Diese sind in der digitalisierten und schnelllebigen Welt ausser Mode geraten. Das wird zum Problem, wenn es darum geht, das Geld auf dem Rechtsweg einzutreiben. Dazu kommen die hohen Kosten für das Einleiten des Konkursverfahrens von 3000 bis 6000 Franken. Bei einer durchschnittlichen Konkursdividende von unter fünf Prozent für Gläubiger der dritten Klasse geht die Rechnung oft nicht mehr auf. Es lohnt sich, dafür zu sorgen, dass es gar nicht so weit kommt. AGB prüfen Das beginnt bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Sämtliche für die Forderungsdurchsetzung relevanten Punkte sind darin aufzunehmen: Mahngebühren, Gläubigerkosten, angemessene Zahlungsfristen und ein Verzugszins, der auch über fünf Prozent liegen darf. Bonitätsprüfung Die Zahlungsfähigkeit jedes Kunden, der auf Rechnung beliefert werden soll, ist vor Vertragsabschluss zu prüfen. Eine Betreibungsauskunft reicht bei Weitem nicht. Dienstleister wie Creditreform bieten auf Basis vieler weiterer Daten einen umfassenderen Blick auf die Bonität des Kunden. Inkasso Wer zuerst mahnt, mahnt am besten. Denn er hat die besten Chancen, sein Geld zu erhalten. Klare Vereinbarungen schaffen die Basis, die Dokumentation aller Abmachungen hilft, Missverständnisse zu vermeiden, und das konsequente, zugleich respektvolle Durchsetzen rechtlicher Schritte schafft Klarheit. Das Outsourcing des Inkassos entlastet Mitarbeitende, und es beruhigt die Geschäftsleitung, die das Inkasso in den Händen von Fachleuten weiss, die über die einschlägigen Fristen und das SchKG Bescheid wissen. Verlustscheine und kurzfristige Liquidität Verlustscheine sind kein verlorenes Geld. Mit deren Bewirtschaftung lässt sich bereits abgeschriebenes Geld einnehmen. Das geht im Unternehmensalltag gerne unter, oder es fehlen Infrastruktur und Zeit, die Verlustscheine zu bewirtschaften. Auch hier greifen professionelle Inkassodienstleister ihren Kunden unter die Arme. Die Konkurswelle naht Die Konkurse werden zunehmen, sobald die staatlichen Coronahilfen auslaufen. Je früher gehandelt wird, desto grösser sind die Chancen, Ausstände eintreiben zu können. Die Ausgangslage kann sich von Tag zu Tag ändern. Gerade deshalb ist es für alle wichtig, auf Plattformen wie Creditreform Erfahrungen zur Zahlungsabwicklung auszutauschen, um sich gegenseitig vor Verlusten zu schützen und damit das Bonitäts monitoring aktuell zu halten. Marco Zuberbühler Mitglied der Geschäftsleitung Creditreform Egeli Basel AG Münchensteinerstrasse 127 4002 Basel CREDITREFORM Mehr als 12 000 Unternehmen verlassen sich auf Creditreform, die grösste Gläubigervereinigung der Schweiz. Bonitätsauskünfte über Firmen und Privatpersonen sowie Inkassodienstleistungen aus einer Hand. www.creditreform.ch

22. Januar 2021 INTERVIEW Standpunkt der Wirtschaft | 9 BASLER REGIERUNGSRÄTIN – Stephanie Eymann, die 20 Jahre im Baselbiet lebte, wird ab kommendem Februar als Justiz- und Sicherheitsdirektorin in der Regierung des Kantons Basel-Stadt wirken und dort ihre liberalen und bürgerlichen Werte einbringen. «Die Sicherheit ist mein Herzthema» Standpunkt: Frau Eymann, Sie wurden am 29. November letzten Jahres in die Basler Regierung gewählt, der Amtsantritt ist jedoch erst am 3. Februar 2021. Was passiert eigentlich in einer solchen Zwischenphase? Stephanie Eymann: Die erste Zeit nach der Wahl galt der Beantwortung von immens vielen Gratulations-Mails, SMS und Telefonaten. Daneben habe ich normal weitergearbeitet und Mitte Januar meinen alten Job bei der Verkehrspolizei Basel­ Landschaft abgeschlossen. Gleichzeitig begannen gewisse Vorbereitungsarbeiten, ich habe mich mit dem jetzigen Amtsinhaber Baschi Dürr getroffen und erste Themen besprochen. Die letzten beiden Wochen vor der Übernahme gönne ich mir einen kurzen Break. «ICH HATTE VIELE BERÜHRUNGSPUNKTE MIT DER BASELBIETER POLITIK UND KENNE DORT ALLE REGIERUNGSRÄTE, ZWEI VON IHNEN WAREN MEINE CHEFS.» Wie wird man als ehemalige Gemeinderätin von Eptingen in nur einem Jahr Regierungsrätin im Kanton Basel-Stadt? Gute Frage… (lacht) Wahrscheinlich, indem man ein Stück weit den Mut, den Willen und den Kampfgeist hat, es zu probieren. Ich brachte mich ja nicht selbst ins Rennen, ich wurde von den bürgerlichen Parteien aktiv angefragt. Ich machte mir Gedanken, ob das vermessen sei, spürte dann aber, dass der Zeitpunkt, um bürgerlich anzugreifen, mit der Doppel vakanz der SP jetzt da war. Dieser schnelle Karriereweg ist unüblich. Es machte fast ein wenig den Eindruck, als hätte man auf Sie gewartet in Basel. Nein, und er war weder so angedacht noch geplant. Meine Rückkehr nach Basel hatte einen privaten und keinen politischen Hintergrund. Ich wollte erst einmal für den Grossen Rat kandidieren, die Regierungskandidatur hat sich erst nach und nach konkretisiert. Ich machte darauf eine Chancen-Risiken-Abwägung. Ich überlegte, was ich zu verlieren hätte, ob das eine einmalige Chance ist, ob ich bei einer Nichtwahl einen Stempel tragen würde. Doch ich kam zum Schluss, dass es passt. Und es kam ja sehr gut heraus. Hätten Sie mit einem solchen Zuspruch gerechnet? Der erste Wahlgang war so etwas wie der Zahltag, der aufzeigte, ob meine Kandidatur von der Stimmbevölkerung ernst genommen wird. Mit nur 79 Stimmen, die mir zum absoluten Mehr fehlten, war ich dankbar und positiv überrascht. Ich hatte auf einen Achtungserfolg gehofft, aber so knapp an eine mögliche Wahl heranzukommen, da dachte ich: Wow! Danach wurde ich von erfahrenen Politikern gewarnt, dass zweite Wahlgänge anders laufen. Es gab eine neue Ausgangslage, der Ton wurde aggressiver, es wurde mehr auf Mann gespielt. So war ich vor dem zweiten Wahlgang schon unsicher und umso erstaunter, dass ich nochmals zulegen und ein solches Ergebnis erreichen konnte. Diese 79 Stimmen, die fehlten, waren so etwas wie ein vierter Platz an den Olympischen Spielen. Hat sie das nicht auch ein wenig geärgert, dass es so knapp nicht reichte im ersten Wahlgang? Ich sah das nie so. Es ist mein Naturell, dass ich mich im Positiven nicht ärgern will. 79, das ist auch mein Jahrgang, vielleicht war das einfach schicksalhaft. Dazu kam, dass mich zu jener Zeit essenzielle Dinge im Leben beschäftigten, meine beiden Eltern waren beide mit Covid-19 im Spital, mein Vater hatte einen schweren Verlauf. In der Relation kann man sich dann nicht über 79 Stimmen in einer Wahl ärgern. Sie haben aus dem Baselbiet einen politischen Rucksack als Gemeinderätin in Eptingen und als Parteileitungsmitglied der FDP mitgebracht, das war im Wahlkampf kaum ein Thema. Warum? Ich war Gemeinderätin einer 500-Seelen-Gemeinde, ich habe das bewusst nicht herausstreichen wollen. Man lernt viel in einer kleinen Gemeinde, ob man gut mit Leuten umgehen kann, ob man gerne entscheidet, aber es ist nicht vergleichbar mit einem Regierungsamt in einer Stadt. Die Parteileitungstätigkeit in der FDP hat mich mehr gelehrt, ich kandidierte 2011 auch für den Landrat und bin dort auch bis auf 50 Stimmen nahe herangekommen. Wegen meinen Tätigkeiten bei der Staatsanwaltschaft und dann bei der Verkehrspolizei legte ich meine politische Karriere später etwas auf Eis. Und so kam ich als politisch etwas unbeschriebenes Blatt zurück in die Stadt, hatte aber den Vorteil, eine Verwaltung von innen zu kennen. Das ist ein wertvoller Hintergrund, man muss dies mögen und die nötige Geduld mitbringen. Das ist jener Rucksack, den ich nutzen kann. Dass Sie nun das Justiz- und Sicherheitsdepartement übernehmen, scheint wie eine logische Fortsetzung Ihres bisherigen beruflichen Weges zu sein. Sie hatten sich ja im Wahlkampf aktiv um das Präsidialdepartement beworben. Sind Sie trotzdem glücklich, wie es herausgekommen ist? Ja, das bin ich. Natürlich hätte ich das Präsidium gerne übernommen, darauf hatte ich auch den klaren Fokus im Wahlkampf gesetzt. Mich reizen Konstellationen, in denen ich Gestaltungsbedarf sehe. Und ich hatte das Gefühl, dass das Potenzial bisher nicht wirklich wahrgenommen worden war. Das sah ich als gute Herausforderung für mich. Aber am Ende lese ich den Wählerwillen so, dass ich als Regierungsrätin zwar klar gewollt war, aber eben nicht als Präsidentin. Und deshalb ist es gut, wie es jetzt ist. Die Sicherheit ist mein Herzthema. Ist es ein Vorteil, dass sie im neuen Departement den beruflichen Hintergrund von innen mitbringen? Es kann ein Vorteil sein, man muss aber auch aufpassen, dass man nicht beginnt, operativ einwirken zu wollen und dass man die strategische Ebene nicht verlässt. Der Einstieg ist sicher einfacher, wenn man sich mit den Themen schon einmal auseinandergesetzt hat. Stephanie Eymann leitet künftig das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Es ist auch ein Departement, bei dem nicht viel öffentliche Anerkennung abzuholen ist … Das Departement steht im Schaukasten, es polarisiert. Es braucht sicherlich etwas Ursachenforschung. Was ist die mediale Wahrnehmung, was ist systembedingt, dass meist der Departementsvorsteher bei operativen Angelegenheiten im Schaufenster steht? Für mich ist es sicherlich noch zu früh, dies zu beurteilen. «AUTHENTIZITÄT BEWÄHRT SICH AUF LANGE ZEIT AM BESTEN. ICH VERBIEGE MICH NICHT, DIESEM GRUNDSATZ WERDE ICH TREU BLEIBEN.» Wie sehen Sie die Mehrheitsverhältnisse in der neuen Basler Regierung? Die rot-grüne Mehrheit besteht zwar nicht mehr, aber es gab auch keinen Wechsel zu einer bürgerlichen Mehrheit. Dazu gibt es weniger Erfahrung. Ich sehe das wirklich als Chance. Es gab einen Generationenwechsel und damit auch einen Erfahrungsverlust. Es ist deshalb wichtig, dass wir uns schnell finden, einen Weg definieren und konstruktiv zusammenarbeiten. Es wird spannend sein. In der Wahrnehmung sieht es nach Patt aus, Esther Keller wird sicherlich zeigen müssen, wo sie steht. Es kann aber auch nicht sein, dass man dann bei jedem Dossier an ihr «ziehen» muss und alle Entscheide mit 4:3 fallen. Rein politisch bedauere ich, dass wir es nicht geschafft haben mit der bürgerlichen Mehrheit. Sie bezeichneten sich einmal als Ur-Kleinbaslerin – gibt es dennoch nach 20 Jahren im Baselbiet ländliche Elemente, die sie in die Stadt zurücknahmen? Es hat sich ein wenig gedreht. Früher sagte ich, ich sei im Oberbaselbiet heimisch geworden und trage das Kleinbasler Herz noch in mir. Jetzt ist es ein Zurückdenken an beschauliche, dörfliche Verhältnisse, an die Ruhe und an sonnige Stunden auf dem Belchen über dem Nebelmeer. Aber ich schätze auch die kurzen Wege in der Stadt. Mitgenommen habe ich den unbedingten Wunsch nach einer grossen Terrasse und das «Urban Gardening». Im Wahlkampf nahm man Sie als offene Person war, die auch Unbequemes aussprach und authentisch wirkte. Werden Sie sich das im «magistralen» Amt erhalten? Ich habe das schon vor, ja. Authentizität bewährt sich auf lange Zeit am besten. Ich verbiege mich nicht, diesem Grundsatz werde ich treu bleiben. Man hat mich ja auch gewählt, weil ich so bin. Wenn ich jetzt eine 180-Grad-Wendung mache, werden die Leute kein gutes Gefühl haben. Und was heisst heute magistral? Früher war ein Regierungsrat womöglich etwas unnahbarer, aber das hat sich geändert. Ich möchte meinen Humor nicht verlieren und auch einmal einen Spruch machen. Was nicht heisst, dass nicht gegenseitiger Respekt da sein muss. ZUR PERSON Bild: Herr Was haben Sie sich sonst vorgenommen für Ihre neue Berufung ab dem 3. Februar 2021? Ich bin immer gut gefahren damit, nicht zu kommen und zu sagen, «so und so läuft das ab jetzt». Es hängt vieles von den Menschen im Departement ab. Ich möchte alle kennenlernen und dann gemeinsam Strategien entwickeln. Im Moment habe ich noch den Aussenblick, ich will mir möglichst viel Wissen aneignen. Mit Ihrem hälftig auf Stadt und Land aufgeteilten Leben sind Sie ja prädestiniert für das Thema der bikantonalen Zusammenarbeit … Ich hatte viele Berührungspunkte mit der Baselbieter Politik und kenne dort alle Regierungsräte, zwei von ihnen waren meine Chefs. Es kann im Dialog etwas bringen, wenn man den Partner kennt und ihn auch als solchen wahrnimmt. Es gab eisige Stimmungen zwischen beiden Kantonen, um diese zu verhindern, braucht es einen steten Austausch. Diesen kann man noch intensivieren, und ich kann als «Übersetzerin» mithelfen, die unterschiedlichen Ansichten zu verstehen.Interview: Daniel Schaub Stephanie Eymann, 41, studierte Rechtswissenschaften an der Universität Basel, doktorierte anschliessend und schloss 2012 ihr Anwaltsexamen im Kanton Basel-Landschaft ab. Danach arbeitete sie als Staatsanwältin und übernahm 2017 die Leitung der Verkehrspolizei Basel-Landschaft. Ab 2011 leitete sie im Gemeinderat Eptingen die Bereiche Bauwesen, Sicherheit und Kultur. In der FDP Basel-Landschaft, für die sie 2011 auch für den Landrat kandidierte, gehörte sie der Partei leitung an. Nach ihrer Rückkehr ins Kleinbasel Mitte 2019 trat die Mutter einer erwachsenen Tochter der LDP Basel- Stadt bei, in der schon ihr Vater Felix Eymann, ihr Onkel Christoph Eymann und dessen ehemalige Partnerin Patricia von Falkenstein, die Präsidentin der LDP, politisier(t)en. Bei den Gesamterneuerungswahlen für den Regierungsrat Basel-Stadt im Herbst 2020 wurde sie im zweiten Wahlgang mit dem Bestresultat gewählt. Schon im ersten Wahlgang hatte sie mit einem starken Resultat aufgewartet und das absolute Mehr um lediglich 79 Stimmen verpasst. Ab 3. Februar 2021 wird sie innerhalb der Basler Regierung das Justiz- und Sicherheitsdepartement leiten. (ds)

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