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Standpunkt 453, 20.10.2017

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Standpunkt der Wirtschaft – Offizielles Informationsorgan der Wirtschaftskammer Baselland

BL 10 TRADITIONSBETRIEBE

BL 10 TRADITIONSBETRIEBE 20. Oktober 2017 – Schweizerische Gewerbezeitung Haus der Wirtschaft – Dienstleistungs- und Kompetenz-Zentrum für KMU aus Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie SCHAUB MEDIEN AG – Drei Jahre nach der Gründung der «Volksstimme» übernimmt der Schriftsetzer Jakob Schaub-Buser den Druck der Zeitung. Die Schaub Medien AG, die von der vierten Familiengeneration geführt wird, gibt die «Volksstimme» auch 132 Jahre später noch heraus. Untrennbar mit der «Volksstimme» verbunden Die 132 Jahre alte Geschichte der heutigen Schaub Medien AG ist untrennbar mit jener der drei Jahre älteren «Volksstimme» verbunden. Die nach wie vor als kraftvolle Stimme des Oberbaselbiets fungierende Zeitung entstand 1882 im Vorfeld einer Volksabstimmung. Die kantonale Bildungshoheit sollte auf den Bund übertragen werden. Dagegen wehrten sich vor allem Lehrer und Akademiker, welche dem Volk mittels einer Zeitung eine Stimme geben wollten. Der Sissacher Pfarrer Jakob Probst erwies sich als treibende Kraft. Zum Gründungskomitee gehörte auch Lehrer Johann Jakob Schaub aus dem Nachbardorf Gelterkinden. Nicht zuletzt dank der Meinungsbildung durch die «Volksstimme» wurde die Zentralisierung des Schulwesens beim Bund auch im Kanton Baselland abgelehnt. DIE ÄLTESTEN BASELBIETER BETRIEBE 1885 suchten die Zeitungspioniere einen neuen Drucker. Die Wahl fiel auf den gelernten Schriftsetzer Jakob Schaub-Buser, den Sohn des Komiteemitglieds Schaub. Im Alter von 23 Jahren übernimmt Schaub junior am 1. Juli 1885 den Druck der «Volksstimme von Baselland». Die Auflage beträgt rund 1000 Exemplare. Gedruckt wird auf einer von Hand angetriebenen Johannisberg-Schnellpresse. Gleichzeitig werden auch Drucksachen aller Art, sogenannte Akzidenzen, hergestellt. Jeder einzelne Buchstabe musste noch von Hand dem Setzkasten entnommen werden. 15 Jahre später übertragen die Herausgeber die Verlagsrechte an Jakob Schaub. Fortan wird die Zeitung in eigener Regie und redaktioneller Verantwortung herausgegeben. Mit Beginn des neuen Jahrhunderts treibt ein Elektromotor die Schnellpresse an. 1921 wird auf Initiative von Hans Schaub-Horand, dem Sohn des Firmengründers, die erste Linotype- Setzmaschine angeschafft, welche die vierfache Leistung eines Handsetzers bringt. 1949 übernimmt mit Hans Schaub-Horand die zweite Generation die Verantwortung für das Unternehmen. Die bisherige Einzelfirma wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Familienbetrieb firmiert neu Der Sitz der Schaub Medien AG an der Hauptstrasse in Sissach. als J. Schaub-Buser AG. Ein Jahr später stirbt der Gründer im Alter von 87 Jahren. 1957 wird für den Zeitungsdruck eine Occassion-8-Seiten-Rotationsmaschine in Betrieb genommen. Die Auflage der «Volksstimme» beträgt nun 5000 Exemplare. 1968 übergibt Hans Schaub-Horand die Betriebsleitung an seine beiden Söhne. Peter Schaub leitet die Druckerei und baut diese kontinuierlich aus. Hansjakob Schaub zeichnet für die Herausgabe und Redaktion der «Volksstimme» verantwortlich. Ab 1972 erscheint diese – bis zum heutigen Tag – drei Mal in der Woche. Die dritte Generation modernisiert den Druckereibetrieb. So wird 1978 die erste computergesteuerte Fotosatzmaschine in Betrieb genommen und 1980 die Zeitungsdruckmaschine durch eine Offset rotation ersetzt. Personalcomputer ersetzen den Fotosatz, und ab 1998 wird im Azidenzbereich mit einer Vierfarbenbogen-Offsetmaschine gedruckt. Heute arbeitet der Traditionsbetrieb mit modernsten Einrichtungen. Der Digitaldruck hat den Bleisatz unwiderruflich abgelöst. 2001 wird die J. Schaub-Buser AG in die Schaub Medien AG umfirmiert. Ein Jahr später übernimmt mit Dieter Schaub, Susi Quinter-Schaub und Doris Schaub, den Kindern von Peter Schaub, die vierte Generation die Unternehmensleitung. Marcel W. Buess Firmengründer Jakob Schaub-Buser mit seiner Frau Elisabeth. Ein Inserat der Buchdruckerei J. Schaub-Buser aus dem Jahr 1900. FOTOS ZVG Die Schriftsetzer an der Arbeit. Das Bild wurde 1957 aufgenommen. IN KÜRZE Schaub Medien AG Verlag «Volksstimme» Hauptstrasse 31–33 4450 Sissach Gegründet: 1885 Anzahl Mitarbeitende: 46 Anzahl Lernende: • 2 Polygrafinnen EFZ • 1 Interactive Media Designerin EFZ • 1 Drucktechnologe EFZ (Offsetdruck) • 1 Printmedienverarbeiterin EFZ Mitglied von Gewerbeverein Sissach und Umgebung Der Standpunkt stellt in einer Serie die ältesten Mitgliedsbetriebe der Baselbieter Gewerbeund Industrievereine vor. Als Nächstes erscheint: Tschudin AG, Spenglerei und sanitäre Anlagen, Waldenburg, gegründet 1876. Mitglied KMU Waldenburgertal. LINKS www.schaubmedien.ch www.volksstimme.ch INTERVIEW – Die «Volksstimme» sei untrennbar mit der Entwicklung der Schaub Medien AG verbunden, sagt Susi Quinter-Schaub, in vierter Generation Verlagsleiterin des Familienunternehmens. Eine fünfte Generation, welche die Familientradition weiterführe, werde es leider nicht geben. «Wir wollen und müssen den Kunden einen Mehrwert bieten» Seit 135 Jahren trägt die «Volksstimme» als liberales, unabhängiges Sprachrohr des Oberbaselbiets zur regionalen Meinungsbildung bei. Herausgegeben wird sie von der Schaub Medien AG. Seit 2002 trägt die vierte Generation die Verantwortung. VR- Präsident Dieter Schaub und Verlagsleiterin Susi Quinter-Schaub äussern sich im Standpunkt-Gespräch über den Erfolg und die Zukunft ihres Medienunternehmens. Standpunkt: Herr Schaub, wie erklären Sie sich den Erfolg Ihres Betriebs? • Dieter Schaub: Bereits der Firmengründer, unser Urgrossvater Jakob Schaub, setzte auf Qualität, und die Wünsche der Kunden standen stets VR-Präsident Dieter Schaub und Verlagsleiterin Susi Quinter-Schaub. FOTO MWB im Mittelpunkt seines Tuns. Dieser Tradition fühlen wir uns verpflichtet. Als Familienunternehmen streben wir langjährige Kundenbeziehungen an. Mit modernsten Mitteln handeln wir kompetent, kostenbewusst und nach ökologischen Grundsätzen. Dabei fühlen wir uns nicht nur unseren Kunden gegenüber verantwortlich, sondern ebenso unseren Mitarbeitenden. Wir verstehen uns als Gesamtdienstleister, weil wir eben mehr können als «nur» drucken. Wir wollen und müssen den Kunden einen Mehrwert bieten. • Susi Quinter-Schaub: Entstanden ist unser Familienbetrieb mit der «Volksstimme». Unsere Zeitung ist der Ursprung der Firma und untrennbar mit der Entwicklung unseres Medien unternehmens verbunden. Wie schaffen Sie es, in Zeiten des Zeitungssterbens die «Volks stimme» als unabhängige Regionalzeitung zu erhalten? • Susi Quinter-Schaub: Dazu braucht es viel Herzblut und Durchhaltewillen aus der Überzeugung, dass es eine solche Zeitung braucht. Die konsequente Ausrichtung auf das Oberbaselbiet hat zu einer starken regionalen Verankerung und zu einer sehr treuen Leserschaft geführt. Ein weiteres Plus der «Volksstimme» ist sicher ihre journalistische Qualität zusammen mit ihrer liberalen Grundhaltung. • Dieter Schaub: Unsere Stärke ist, dass wir das Geschehen im Oberbaselbiet sehr umfassend abbilden. Dorfvereine, Parteien und KMU-Betriebe finden in der «Volksstimme» statt. Doch wir sind nicht einfach ein Verlautbarungsorgan, sondern wir legen Wert auf recherchierte Beiträge. Mit den Leserbriefen und der Vereinsseite erfüllen wir zudem eine sehr geschätzte Forumsfunktion. Die Meinungsvielfalt, die kontroverse Auseinandersetzung mit aktuellen Themen ist für uns ein grosses Anliegen. Wo sehen Sie die grösste Herausforderung für die Zukunft? • Susi Quinter-Schaub: Leider wird es keine fünfte Generation geben, welche die Familientradition weiterführt. So stellt sich für uns die Frage, wie die «Volksstimme» als unabhängige Zeitung weitergeführt werden kann. • Dieter Schaub: Für die Zeitung ist beispielweise die Errichtung einer Stiftung oder ein breit gestreutes Aktionariat zu prüfen. Für den restlichen Betrieb ist ein Management Buy out denkbar.Interview: Marcel W. Buess

RATGEBER Haus der Wirtschaft -– Dienstleistungs- und Kompetenz-Zentrum für KMU aus Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie 20. Oktober 2017 – Schweizerische Gewerbezeitung BL 11 RATGEBER RECHT – Der Garten einer Liegenschaft gehört allen Stockwerkeigentümern. Erhalten Bewohner einen Sitzplatz zur alleinigen Benutzung, sind damit auch Pflichten verbunden. Sondernutzungsberechtigte müssen Rasen mähen Vor allem im Herbst erwacht das Bedürfnis, im Garten Unterhaltsarbeiten oder Veränderungen vorzunehmen. Bei Stockwerkeigentümern kann dies jedoch schnell zu Konflikten mit der Stockwerkeigentümergemeinschaft führen, weil die Nutzungsrechte sowie die finanzielle Verantwortung zwischen den Parteien nicht klar geregelt sind. Grund und Boden eines in Stockwerk eigentum aufgeteilten Grundstücks gehören zwingend zu den gemeinschaftlichen Teilen (Art. 712b Abs. 2 Ziff. 1 ZGB). Dies bedeutet, dass am Garten oder Teilen davon (inklusive aller fest mit dem Boden verbundenen Pflanzen) kein Sonderrecht begründet werden kann. Der Garten und der ganze Umschwung gehören somit allen Stockwerkeigentümern gemeinsam im Miteigentum nach Wertquoten. Alexander Heinzelmann, Rechtsanwalt, Legal-Team Wirtschaftskammer. Sitzplatz zu alleiniger Benutzung Oft wird jedoch einzelnen Stockwerk eigentümern ein Gartensitzplatz zur alleinigen Benutzung überlassen. Dieses Sondernutzungsrecht des Gartens und dessen Umfang wird in der Regel bei der Begründung des Stockwerkeigentums im Reglement festgehalten. Ein Sondernutzungsrecht des Gartens kann verschieden ausgestaltet werden. Verschiedene Varianten möglich Es kann zum Beispiel vereinbart werden, dass der Sondernutzungsberechtigte zur individuellen Gestaltung «seines» Gartens ermächtigt wird, verbunden mit dessen Unterhaltsverpflichtung inklusive Kostenübernahme – oder aber der Sondernutzungsberechtigte darf «seinen» Garten lediglich gebrauchen, und dessen Bepflanzung und Unterhalt (beziehungsweise die Kosten dafür) obliegt, wie der Rest des Umschwungs, der Gemeinschaft. Enthält das Reglement keine derartige Inhaltsumschreibung des jeweiligen Sondernutzungsrechts, gilt grundsätzlich, dass der Sondernutzungsberechtigte den Garten benutzen und zum Beispiel Gartenmöbel, Blumentöpfe, Sonnenschirme und einen mobilen Grill aufstellen darf. Gestalterische Eingriffe verboten Ohne ausdrückliche Zustimmung der Stockwerkeigentümergemeinschaft sind dagegen jegliche gestalterischen Eingriffe und Substanzveränderungen verboten, wie zum Beispiel das Umpflügen des Rasens, das Fällen/Zurückschneiden von Bäumen und die Installation von fest verankerten Swimmingpools oder Spielgeräten. Nimmt der Sondernutzungsberechtigte solche Eingriffe ohne die Zustimmung der Stockwerkeigen tümergemeinschaft vor, so hat Letztere das Recht, die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes zu verlangen. Für Unterhalt verantwortlich Der sondernutzungsberechtigte Gartenbenützer ist in der Regel für die Pflege und den Unterhalt «seines» Gartens beziehungsweise Sitzplatzes verantwortlich. Ist im Reglement nichts Näheres geregelt, so hat er beispielsweise den Rasen zu mähen, die Beete zu jäten, den Sitzplatz belag zu reinigen und eventuell notwendig gewordene Ausbesserungen vorzunehmen. Die Gemeinschaft der Stockwerk eigentümer ist dagegen verpflichtet, den Gartenanteil in seiner Substanz zu erhalten. So ist es beispielsweise Sache der Stockwerkeigentümer gemeinschaft, die gemeinschaft lichen Bäume zurückzuschneiden oder einen alten Gartenzaun zu ersetzen und die Kosten dafür gemeinsam zu übernehmen. Es muss folglich immer zuerst das Reglement studiert werden, das festhält, wie die Sondernutzung des Gartens geregelt wurde. Wenn keine Regelung getroffen wurde, so gelten die vorhergehenden Grundsätze. LEGAL-TEAM Rechtsanwalt Alexander Heinzel mann ist Mitglied des Legal-Teams der Wirtschaftskammer Baselland. Das Legal-Team steht den Mitgliedern der Wirtschaftskammer für Auskünfte zur Verfügung. Es ist erreichbar unter der Telefonnummer 061 927 66 70 oder via E-Mail an dessen Leiterin, Fürsprecherin Barbara Gfeller: b.gfeller@kmu.org. ANZEIGE

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