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Standpunkt 448, 7.7.2017

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Standpunkt der Wirtschaft – Offizielles Informationsorgan der Wirtschaftskammer Baselland

BL 10 TRADITIONSBETRIEBE

BL 10 TRADITIONSBETRIEBE 7. Juli 2017 – Schweizerische Gewerbezeitung Haus der Wirtschaft – Dienstleistungs- und Kompetenz-Zentrum für KMU aus Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie KONDITOREI-CAFÉ KERN LAUFEN – Seit 1833 führt die Familie Kern im Laufner Stedtli eine Bäckerei-Konditorei mit Restaurationsbetrieb. Seit 2002 führt mit Christoph und Stefan Kern mittlerweile die 6. Generation den traditionsreichen Familienbetrieb. Familienunternehmen in der 6. Generation Vor vier Jahren konnte die Laufner Bäckerei-Konditorei Kern ihr 180-jähriges Bestehen feiern. Heute wird das Familienunternehmen in der 6. Generation geführt – von den Gebrüdern Stefan und Christoph Kern. Stefan zeichnet als eidg. dipl. Konditor-Confiseur-Meister verantwortlich für die Bäckerei und Konditorei sowie für die Ausbildung der Konditor-Confiseur- und Bäcker-Konditor-Lernenden. Christoph leitet die Küche und das Restaurant. Zusätzlich ist er verantwortlich für die Lernendenausbildung im Detailhandel. Der Zuckerbeck von Laufen Den Grundstein zum heutigen Traditionsbetrieb legte Johannes Kern 1833. Zwölf Jahre später kaufte er das Eckhaus an der Hauptstrasse 26 und baute es zu einer Bäckerei um. Sein Sohn Franz Konrad erhielt später das Recht, neben der Bäckerei eine Pinten wirtschaft zu führen. Ein halbes Jahrhundert später baute dessen Sohn Joseph Kern eine Kaffeehalle an, «um das ausschweifende Leben in der Wirtschaft im ersten Stock zu zügeln», wie die Firmenchronik vermerkt. 1880 verkaufte «Zuckerbeck Joseph Kern», der Urgrossvater der heutigen Firmeninhaber, die ersten «Schoggi-Hasen» und «Schoggi-Eier». DIE ÄLTESTEN BASELBIETER BETRIEBE Diese werden nach dem gleichen Rezept noch heute jedes Jahr zu Ostern hergestellt. Doch nicht nur damit, sondern auch mit Lebkuchen, Waffeln und den bis heute beliebten Nusskernli machte sich der «Laufner Zuckerbeck» einen Namen. Der «American Way of Life» Mehr als zehn Jahre führte Josephs ältester Sohn Ernst die Bäckerei. Aufgrund einer Mehlallergie musste er aber aufhören, so dass sein Bruder Guido, der als Zuckerbäcker nach Amerika ausgewandert war, 1928 zurückkehren musste. Während sechs Jahren hatte er erfolgreich als «Pastry-Chef» am Broadway in New York gearbeitet. Mit Guido Kern hielt der «American Way of Life» in Laufen Einzug. Die Die Belegschaft der Konditorei Kern im Jahr 2014. In der Bildmitte die Geschäftsführer Stefan und Christoph Kern (hinten) und deren Mutter Annelies Kern (vorne) FOTOS ZVG Kaffeehalle hiess nun Tea-Room. Die Biscuit- und Leb kuchenfabrikation wurde erweitert. Und bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verkaufte Kern seine Backwaren auch auf allen Märkten im Jura. Das Geschäftsauto, mit dem Hauslieferungen durchgeführt oder die Waren an die regionalen Märkte transportiert wurden, war natürlich ein aus den Vereinigten Staaten stammender Ford. Café- und Restaurantbetrieb 1968 übernahmen Guido junior und Annelies Kern-Häfeli den Betrieb. Die Eltern der heutigen Inhaber führten die Bäckerei-Konditorei während insgesamt 33 Jahren. Aus dem Tea-Room wurde ein moderner Café- und Restaurantbetrieb. Die Backstube wurde aus der Geschäftsliegenschaft ausgegliedert. Gleichzeitig fand eine Erweiterung des Angebots an Back- und Confiseriewaren statt. Seit 2002 stehen Christoph und Stefan in der Verantwortung. Das Jahrhunderthochwasser im Jahr 2007 stellte die jungen Unternehmer auf eine harte Probe. Die Geschäftsliegenschaft, die Backstube und das Café- Restaurant konnten nicht mehr genutzt werden. Mit grosser Tatkraft wurde das historische Gebäude restauriert. Heute erstrahlt das Ganze in neuem Glanz, und die bald 200-jährige Familientradition wird erfolgreich weitergeführt. Marcel W. Buess Die blumengeschmückte Fassade des Geschäfts in den 1950er-Jahren mit den Schaufenstern für Confiserie und Tea- Room. Die Familie Kern in den 30er-Jahren vor ihrem Geschäft. Der Amerika-Rückkehrer Guido Kern machte aus der Kaffeehalle ein Tea-Room. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs konzertierten Musikanten des Militärs vor der Confiserie Kern. Unter der Tür stehen Guido Kern sen. und seine Frau Klara. Guido Kern sen., der Grossvater der heutigen Geschäftsinhaber, arbeitete sechs Jahre als Pastry-Chef im Broadway Bakery & Pastry Shop in New York. IN KÜRZE Konditorei-Café Kern GmbH Hauptstrasse 26 4242 Laufen Gegründet: 1833 Anzahl Mitarbeitende: 20 Anzahl Lernende: • 2 Konditor/in-Confiseur/in EFZ Mitglied von KMU Gewerbeverein Laufental Der Standpunkt stellt in einer Serie die ältesten Mitgliedsbetriebe der Baselbieter Gewerbeund Industrievereine vor. Als Nächstes erscheint: Fünfschilling AG, Metallbau, Binningen, gegründet 1896, Mitglied von KMU Binningen-Bottmingen. LINKS www.cafekern.ch INTERVIEW – Man dürfe sich niemals auf den Lorbeeren ausruhen und stehen bleiben, sagen Christoph und Stefan Kern. Mit dem Grundsatz «Der Kunde ist König» sei die Familie immer gut gefahren. Grossen Wert legen die Kerns auch auf die traditionelle, fachmännische Herstellung ihrer Ware. «Es braucht eine Kombination von Tradition und Innovation» Vor 15 Jahren übernahmen Stefan und Christoph Kern die Leitung des Familienbetriebs. Seither führen sie in 6. Generation den heute 184 Jahre alten Betrieb als Konditorei-Café Kern GmbH. Diese Tradition ist für sie eine Verpflichtung, mit höchster Qualität jeden Tag die Kundschaft von neuem zu überzeugen. Dass sie mit dieser Philosophie regelmässig Auszeichnungen gewinnen, überrascht nicht. Standpunkt: Christoph und Stefan Kern, die «Swiss Bakery Trophy 2012» dürfte wohl als Meilenstein in die jüngere Geschichte Ihres Traditionsbetriebs eingehen. • Christoph Kern: Unser Betrieb hat in seiner bald 200-jährigen Geschichte verschiedene Höhepunkte erreicht. Stefan (l.) und Christoph Kern führen die Konditorei-Café Kern GmbH in Laufen in der 6. Generation FOTO ZVG Für unsere Generation war 2012 aber sicher etwas sehr Besonderes. Bei der «Swiss Bakery Trophy» handelt es sich um das grosse Jahrestreffen der Berufsleute der Bäckerei-Konditorei- Confiserie-Branche unseres Landes. • Stefan Kern: Seit einigen Jahren findet dort jeweils auch ein grosser nationaler Wettbewerb statt. Im Jahr 2012 gewannen wir acht Medaillen, darunter je eine Gold medaille für unser «Huusbrot» und die «Whisky Truffes». Für die Truffes erhielten wir zusätzlich die Auszeichnung «Swiss Bakery Trophy Champion». Das heisst, dass unsere Confiserie 2012 das beste Praliné produziert hatte. Diese Auszeichnung macht uns sehr stolz und zeigt, dass sich unser Anspruch an beste Qualität, den schon unsere Vorväter hatten, auszahlt. Gibt es für Sie – neben der Qualität – noch andere Gründe, dass ihr Betrieb seit mehr als 180 Jahren bestehen kann? • Christoph Kern: Es braucht eine gute Kombination aus Tradition und Innovation. Man darf sich niemals auf den Lorbeeren ausruhen und stehen bleiben. So müssen wir neue Produkte entwickeln oder bestehende zum Teil dem Zeitgeist respektive den Wünschen unserer Kundschaft anpassen. Auch bei der Ausbildung muss sich die Bäcker-Konditor-Branche stetig weiterent wickeln. Unser wirtschaftliches Umfeld wird immer schwieriger, die Grossverteiler schlafen nicht. Als traditioneller Betrieb müssen wir uns jeden Tag neu bewähren. Unsere Familie verfolgte dabei immer eine zentrale Philosopie: Der Kunde ist König. Mit diesem Grundsatz sind wir bisher sehr gut gefahren. • Stefan Kern: Lassen Sie mich doch noch etwas zum Thema Qualität sagen: Wir legen nämlich grossen Wert auf die traditionelle, fachmännische Herstellung. Unsere ausgebildeten Bäcker stellen alles in Handarbeit her. Unsere Kundinnen und Kunden erhalten unsere Produkte jeden Tag in gleich hoher Qualität. Die Rohstoffe sind immer frisch und von bester Güte. Bei ausgesuchten Backwaren verarbeiten wir bewusst schweizerische Qualitätsbutter anstelle von Margarine – das gilt vor allem für den Butterzopf und die Butter gipfeli, unsere Spezialitäten. Wir wollen unseren Kunden jeden Tag ein echtes und genussvolles Geschmackserlebnis bieten. Interview: Marcel W. Buess

RATGEBER Haus der Wirtschaft -– Dienstleistungs- und Kompetenz-Zentrum für KMU aus Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie 7. Juli 2017 – Schweizerische Gewerbezeitung BL 11 TAGUNG Wirtschaftskammer ist Partnerin der Tagung «Arbeit und Psyche». Wer ist schwierig, wer ist einfach? Die Tagung zeigt die Sichtweisen der verschiedenen Akteure auf das Problem. FOTO ZVG Die Psychiatrie Baselland lädt am kommenden 26. Oktober zu einer Tagung nach Basel. Unter dem Titel «‹Schwierige› Mitarbeitende – ‹Einfache› Chefs und Ärzte?» referieren und diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Wirtschaft, Politik und Verwaltung darüber, dass viele Menschen unter psychischen Schwierigkeiten am Arbeitsplatz leiden, aber immer noch zu wenig getan wird, um dagegen anzukämpfen. Die Referenten sprechen über Erfahrungen, politische Aspekte und die Weiterentwicklung der Invalidenversicherung sowie neue Forschungsresultate aus der Schweiz. Die Tagung mit Podiumsdiskussion im Auditorum der Roche an der Viaduktstrasse 33 in Basel richtet sich an Arbeitgeber, Ärzte, Versicherer, Politiker und Behörden. Zu den Vortragenden gehören: Nationalrat Ignazio Cassis, Präsident der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit; Christopher Prinz, Projektleiter «Mental Health and Work» der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; Daniel Sollberger, Zentrums-Chefarzt der Psychiatrie Baselland, und Niklas Baer, Leiter Fachstelle Psychiatrische Rehabilitation, Psychiatrie Basel land. Die Wirtschaftskammer Baselland ist Partnerin dieser Veranstaltung. Der stellvertretende Direktor, Landrat Markus Meier, ist Tagungs beobachter und wird am Schluss ein Fazit des Anlasses ziehen. Programm und Anmeldung finden sich im Internet unter der untenstehenden Adresse. Reto Anklin LINK www.pbl.ch/tagung2017 POLIT-KOLUMNE Parlament befiehlt, Bundesrat tut nichts In der Theorie ist alles klar. «Die Bundesversammlung kann dem Bundesrat Aufträge erteilen», steht in Artikel 171 der Bundesverfassung. Wie das National- und Ständerat per Motion bewerkstelligen, bestimmt das Parlamentsgesetz: «Die Motion beauftragt den Bundesrat, einen Entwurf zu einem Erlass der Bundesversammlung vorzulegen oder eine Massnahme zu treffen. Ist eine Motion nach zwei Jahren noch nicht erfüllt, so berichtet der Bundesrat der Bundesversammlung jährlich darüber, was er zur Erfüllung des Auftrages bisher unternommen hat und wie er den Auftrag zu erfüllen beabsichtigt.» Ganz schön mächtig, diese Bundesversammlung der 246 National- und Ständeräte, könnte man meinen, die «unter Vor behalt der Rechte von Volk und Ständen die oberste Gewalt im Bund» ausübt. Doch das täuscht. Denn wenn die sieben Auftragnehmer der Räte keinen Finger rühren, um verbindliche Aufträge fristgerecht im Sinn und Geist der parlamentarischen Mehrheiten zu erledigen, dann passiert rein gar nichts – genau wie bei der Nichtumsetzung von Aufträgen von Volk und Ständen mit Verfassungsrang. Am Drücker sitzen die Auftragsverweigerer ganz alleine. Zu einem Lehrstück darüber wurde die Motion Nummer 15.3445 der FDP-Fraktion vom 6. Mai 2015: «Der Bundesrat wird beauftragt, die Regulierungsfolgenabschätzungen, welche in den erläuternden Berichten von Vernehmlassungsvorlagen und an das Parlament überwiesenen Botschaften gemacht werden, künftig von unabhängiger Stelle (ausserparlamentarische Kommission, externe Stelle, Experten usw.) auf deren Richtigkeit und Qualität überprüfen zu lassen.» Am 15. Juni 2016 stimmte der Ständerat mit 26 Ja gegen 13 Nein diesem Auftrag zu. Am 23. September 2015 bereits hatte der Nationalrat mit 120 Ja gegen 64 Nein grünes Licht für die FDP-Motion gegeben. Ins gleiche Horn stiess am 5. Mai 2015 auch der Obwaldner Peter Amstutz, ehemaliger Leiter der Bundeshaus- Redaktion der «Basler Zeitung» CVP-Nationalrat Karl Vogler. Er verlangte, die «Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass bei sämtlichen neuen oder angepassten Regulierungen frühzeitig eine Bedarfsanalyse sowie eine Regulierungsfolgenabschätzung durchgeführt werden». Auch das fanden beide Kammern des Parlamentes nötig und richtig. Der Nationalrat befürwortete die Motion Vogler mit 132 Ja gegen 52 Nein, der Ständerat überwies sie mit 26 Ja gegen 13 Nein. Die ständerätliche Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) war vorberatend zum Schluss gekommen: «Die Kommission ist der Ansicht, es brauche ein griffigeres Instrumentarium als das heute vorhandene, um der Bürokratisierung Herr zu werden.» In der WAK herrschte der Eindruck vor, die Motivation, eine objektive, aussagekräftige Regulierungsfolgenabschätzung vorzunehmen, sei nicht in allen Ämtern gross und verkomme manchenorts zu einer Pflichtübung. Teilweise empfinde man den Auftrag, die Regulierungsfolgen abzuklären, eher als Bürde denn als Möglichkeit zum Erkenntnisgewinn und zur Verbesserung einer Vorlage. Nationalrat Voglers wie folgt begründete Bedenken leuchteten allen zuständigen Ratsgremien ein: «In der Praxis zeigt sich, dass die Vorgaben (zur Abklärung der Regulierungsfolgen) nicht in der nötigen Konsequenz umgesetzt werden. Die Kapitel über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen in den Botschaften oder in den erläuternden Berichten bleiben in der Regel kurz, wenig transparent und unverbindlich. Auch fehlt es an der notwendigen Tiefe. Es besteht der Eindruck, dass die Verpflichtung als notwendiges Übel wahrgenommen wird und zur Alibiübung verkommt. Zudem werden entsprechende Analysen oft erst am Ende des Regulierungsprozesses vorge nommen, sodass die Resultate nicht in die Regulierung einfliessen können.» Nein, nein und nochmals nein – so sträubte sich der Bundesrat wiederholt gegen die klar erteilten Aufträge: «Der Bundesrat anerkennt die beschriebenen Probleme (...), erachtet jedoch die Schaffung einer neuen gesetzlichen Grundlage und die unabhängige Prüfung als unnötig.» Also müsse man den Bundesrat zum Handeln zwingen, meinte der Appenzell Ausserrhoder Andrea Caroni (FDP) im Nationalrat, denn ausser warmer Luft habe die Landesregierung bisher nichts angeboten. Stimmt leider haargenau: Die zum Handeln verpflichtete Exekutive rührt keinen Finger. Am 15. Februar dieses Jahres erdreistete sich der Bundesrat sogar zu folgender Stellungnahme: «Der Bundesrat wird die Anliegen prüfen. Er lehnt jedoch einen frühzeitigen Entscheid ab.» Dabei ist eigentlich kristallklar, was gilt: Motionen sind verbindliche Handlungsaufträge, und Prüfungsideen lanciert das Parlament per Postulat. «Affaire à suivre», sagen jeweils die Romands. Der Autor gibt seine eigene Meinung wieder. Diese muss sich nicht mit jener der Wirtschaftskammer decken. RATGEBER RECHT – Bei der Kündigung eines Maklervertrags sind nur die effektiven Kosten geschuldet. Maklervertrag ist jederzeit widerrufbar Ein Maklervertrag kann durch den Auftraggeber jederzeit fristlos und ohne Angabe von Gründen widerrufen werden, auch wenn der Maklervertrag für eine feste Vertragsdauer abgeschlossen worden ist. Bei einem vorzeitigen Rücktritt vom Vertrag müssen dem Makler seine bisher effektiv angefallenen Kosten im Sinne eines Schadenersatzes ersetzt werden. Eine pauschale Entschädigung oder gar die Forderung der gesamten Provision ist jedoch unzulässig. Dies soll nachfolgend anhand eines in der Praxis gängigen Beispiels veranschaulicht werden. Erbengemeinschaft verkauft Haus Eine Erbengemeinschaft möchte das Haus des Erblassers verkaufen und beauftragt einen Immobilienmakler mit der Vermittlung eines Vertragsabschlusses. Der Maklervertrag wird für eine feste Dauer von neun Monaten abgeschlossen, wobei die Provision des Maklers auf drei Prozent des Kaufpreises festgesetzt wird. Es wird eine Provisionsgarantie vereinbart, gemäss welcher der Makler seine Aufwendungen in jedem Fall ersetzt erhält, auch wenn der Vertrag ohne Tätigkeit des Alexander Heinzelmann, Rechtsanwalt, Legal-Team Wirtschaftskammer. Maklers zustande kommt oder der Auftraggeber den Maklervertrag vor Abschluss eines Vertrags widerruft. Nach mehreren Monaten kann der Makler trotz wiederholter Aufforderung der Erbengemeinschaft noch immer keine Verkaufsbemühungen nachweisen. Die Erben gemeinschaft ist verärgert und widerruft den Maklervertrag fristlos. Der Makler akzeptiert die Vertragsauflösung, fordert aber im Gegenzug die volle Provision als Konventional strafe für den vorzeitigen Rücktritt vom Vertrag. Da der Maklervertrag lediglich in den Grundzügen im Gesetz unter Art. 412 ff. OR geregelt ist, kommen die Bestimmungen des Auftragsrechts gemäss Art. 394 ff. OR zusätzlich zur Anwendung. Beim Maklervertrag gilt somit zwingend das jederzeitige Widerrufsrecht gemäss Art. 404 OR, weshalb dieser zu jedem Zeitpunkt fristlos ohne Angabe von Gründen widerrufbar ist. Diese Bestimmung kann von den Parteien vertraglich nicht wegbedungen werden. Sie gilt auch, wenn der Vertrag befristet abgeschlossen wurde. Der Rücktritt vom Vertrag durch die Erbengemeinschaft ist folglich in jedem Fall gültig erfolgt. Provision erst bei Vertragsschluss Die Provision sowie die Vergütung der Auslagen ist grundsätzlich erst geschuldet, sofern ein Vertragsschluss aufgrund der Vermittlungstätigkeit des Maklers zustande gekommen ist. Eine im Vertrag vereinbarte Provisionsgarantie ist prinzipiell rechtmässig, weil der Makler bei einem vorzeitigen Widerruf des Auftrages Anspruch auf Ersatz der geleisteten Arbeit hat. Sofern eine Aufwandspauschale aber höher als der effektive Aufwand ausfällt, beziehungsweise wie im Beispiel die volle Provision trotz fehlendem Vertragsabschluss gefordert wird, so ist die Provisionsgarantie unzulässig. Dies würde im Sinne einer Konventionalstrafe das freie Widerrufsrecht vereiteln. Die Erbengemeinschaft hat folglich lediglich den effektiven bisher geleisteten Aufwand des Maklers zu vergüten. Es empfiehlt sich generell, vor Abschluss eines Maklervertrags verschiedene Offerten einzuholen und besonders auf die Vertragsdauer sowie die Provisionsregelung zu achten. Ein professioneller Makler ist auch in der Lage, den Verkaufspreis des Objekts abzuschätzen und den Mindestpreis sowie den angestrebten Verkaufspreis im Maklervertrag festzuhalten. LEGAL-TEAM Rechtsanwalt Alexander Heinzel mann ist Mitglied des Legal-Teams der Wirtschaftskammer Baselland. Das Legal-Team steht den Mitgliedern der Wirtschaftskammer für Auskünfte zur Verfügung. Es ist erreichbar unter der Telefonnummer 061 927 66 70 oder via E-Mail an dessen Leiterin, Fürsprecherin Barbara Gfeller: b.gfeller@kmu.org. IMPRESSUM standpunkt Herausgeber/Verlag: Schweizerischer Gewerbeverband sgv, Schwarztorstrasse 26, Postfach 8166, 3001 Bern, Tel. 031 380 14 14 – verlag@sgv-usam.ch Redaktion sgz: Schwarztorstrasse 26, 3007 Bern Tel. 031 380 14 14 – redaktion@sgv-usam.ch Regionalbund «Standpunkt» Herausgeber: •Wirtschaftskammer Baselland •Arbeitgeber Baselland •Unabhängiges Podium für eine liberale Wirtschaft und Gesellschaft, Haus der Wirtschaft, Altmarktstrasse 96, 4410 Liestal Tel. 061 927 64 64, Fax 061 927 65 50 Internet: www.kmu.org E-Mail: standpunkt@kmu.org Verantwortung: Christoph Buser, Direktor Redaktion/Umbruch: Reto Anklin (ra) Produktion: IWF, Postfach 633, 4410 Liestal Abonnement im Mitgliederbeitrag inbegriffen Adressänderungen: Bitte an Wirtschaftskammer Baselland E-Mail: standpunkt@kmu.org Der Abdruck von Textbeiträgen mit vollständiger Quellenangabe ist erlaubt.

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