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Standpunkt 444, 5.5.2017

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Standpunkt der Wirtschaft – Offizielles Informationsorgan der Wirtschaftskammer Baselland

BL 10 TRADITIONSBETRIEBE

BL 10 TRADITIONSBETRIEBE 5. Mai 2017 – Schweizerische Gewerbezeitung Haus der Wirtschaft – Dienstleistungs- und Kompetenz-Zentrum für KMU aus Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie JENZER FLEISCH & FEINKOST AG – 1898 kamen Friedrich und Elise Jenzer-Küffer nach Arlesheim und übernahmen – zunächst in Pacht – die «Metzgerei zum Ochsen». Heute führt der Urenkel Christoph Jenzer den Betrieb, der weit über Arlesheim hinaus bekannt ist. Feine Kost seit bald 120 Jahren Nächstes Jahr kann die traditionsreiche und weit über Arlesheim hinaus bekannte Metzgerei Jenzer – seit 1999 trägt der Familienbetrieb den Namen «Jenzer Fleisch & Feinkost AG» – ihr 120-jähriges Bestehen feiern. Im Jahr 1898 zogen die frisch verheirateten Friedrich und Elise Jenzer- Küffer aus dem bernischen Melchnau nach Arlesheim. Mit dem Ziel, eine eigene Existenz aufzubauen, arbeiteten sie in der damaligen «Metzgerei zum Ochsen». Während gut 25 Jahren führten sie den Betrieb in Pacht, 1923 übernahmen sie den erstmals im 18. Jahrhundert in einer bischöflichen Abrechnung erwähnten Gasthof mit der Metzgerei im Eigentum. DIE ÄLTESTEN BASELBIETER BETRIEBE IN KÜRZE Jenzer Fleisch & Feinkost AG Ermitagestrasse 16 4144 Arlesheim Gegründet: 1898 Damit begründete der gelernte Metzger Friedrich Jenzer, der Urgrossvater des heutigen Firmenchefs Christoph Jenzer, die mittlerweile bald 120-jährige Familientradition. Vom Schlachten zum Veredeln 1929 verstarb der Firmengründer im Alter von 57 Jahren. Im Nachruf des «Wochenblatts» wurde die Persönlichkeit von Friedrich Jenzer wie folgt umschrieben: «Fleiss und Ordnung waren seine Parole, ohne böse Worte wusste er dies in seinem Geschäft zur Geltung zu bringen. Bekannt als aufrichtiger Geschäftsmann, dem sein Wort noch etwas galt.» Enkel Ruedi Jenzer schreibt in der ausführlichen und lesenswerten Firmenchronik von 2013: «Dieser Geist soll in unserem Familienbetrieb weiterleben.» Ein Jahr nach dem Tod des Vaters bauten die Söhne Fritz und Walter, welche nun die Verantwortung trugen, den neuen «Gasthof zum Ochsen» mit der «Metzgerei + Wursterei Fr. Jenzer». Die Brüder teilten sich ihren Broterwerb auf: Fritz betrieb die Metzgerei und Walter führte die Gaststätte. Mitten in den Kriegsjahren wurden an der Dorfgasse grosszügig konzipierte Produktions- und Schlachtlokalitäten gebaut. Dies erforderte ein gerütteltes Mass an Risiko bereitschaft, denn damals war das Fleisch rationiert, die Menschen Die Belegschaft von Jenzer Fleisch & Feinkost 2007 vor dem Hauptgeschäft in Arlesheim. hatten wenig Geld zur Verfügung und die Hypothekarzinsen waren sehr hoch. Die Baumaterialien – wie zum Beispiel Beton – waren ebenfalls rar. Doch der unternehmerische Wagemut zahlte sich aus. In den folgenden drei Jahrzehnten konnte immer mehr Vieh geschlachtet und die Wurstproduktion massiv gesteigert werden. 1987 wurde der eigene Schlachtbetrieb eingestellt. Seither fokussiert sich das Unternehmen konsequent auf die Fleischveredelung wie die Wurst- und Traiteurproduktion. Arlesheim, Reinach und Muttenz 1959 und 1990 wurde der Metzgerladen jeweils umgebaut und auf den neuesten Stand gebracht. 1966 übernahm der Enkel des Firmengründers, Ruedi Jenzer, zusammen mit seiner Frau Lisbeth Jenzer-Monteverdi die Metzgerei. Während viele Metzgerbetriebe ihre Türen schlossen, baute der Vater des heutigen Firmenchefs den Betrieb zügig aus. 1977 wurde in Reinach eine Filiale eröffnet. Neben Arlesheim und Reinach betreibt Jenzer – seit 1999 – auch in Muttenz ein Fachgeschäft. Vor 20 Jahren ging die Unternehmensleitung mit dem heutigen Geschäftsführer Christoph Jenzer und seiner Frau Barbara von der dritten in die vierte Generation über. Marcel W. Buess Die dritte Generation 1942 auf Velos: Fritz, Ruedi, Ruth und Cousine Silvia. Dahinter Fritz und Bertha Jenzer, Ladentochter Grittli Schöpf und Frieda, die Ochsenwirtin (v.l.). FOTOS ZVG Bild von 1920: Unter der Tür stehen Firmengründer Friedrich Jenzer und sein Bruder Jakob, Friedrichs Söhne Walter und Fritz (v.l.) sowie Jakobs Ehefrau Marie (ganz links). In den 1970er-Jahren zeigen sich drei Generationen Jenzer auf einem Bild: Grossvater Fritz, Vater Ruedi und Sohn Christoph Jenzer, der heutige Firmenchef. Anzahl Mitarbeitende: 85 Anzahl Lernende: • 7 Fleischfachmänner/-frauen EFZ Mitglied von Arlesheimer Gewerbe- und Industrieverein Der Standpunkt stellt in einer Serie die ältesten Mitgliedsbetriebe der Baselbieter Gewerbeund Industrievereine vor. Als Nächstes erscheint: Jos. Schneider AG, Garten- und Landschaftsbau, Allschwil, gegründet 1896, Mitglied von KMU Allschwil-Schönenbuch. LINKS www.goldwurst.ch INTERVIEW – «Wir verlassen uns nicht nur auf unser altbewährtes Handwerk, sondern passen es der Zeit an und setzen Trends um», verrät Christoph Jenzer das Erfolgsrezept der «Jenzer Fleisch & Feinkost AG». Er führt das Familienunternehmen in der vierten Generation. «Wir versuchen jeden Tag, die Qualität unserer Produkte zu optimieren» «Dä mit de Goldwürscht», Lehrmeister des Jahres – nur zwei Schlagzeilen, welche den Erfolg des Arlesheimer Traditionsbetriebs unterstreichen. Seit 20 Jahren trägt der innovative Christoph Jenzer die Hauptverantwortung für die «Jenzer Fleisch & Feinkost AG». Wie begründet sich dieser Erfolg, wie trotzt man dem fortschreitenden Metzgersterben? Das Gespräch mit Christoph Jenzer gibt dazu Antworten. Christoph Jenzer, Geschäftsführer Jenzer Fleisch & Feinkost. ierten, gab es einen handfesten Hintergrund: Am Qualitätswettbewerb der Metzgerfachausstellung MEFA gewannen wir in jenem Jahr eine Goldmedaille. Zur Feier dieses Erfolgs versteckten wir in jedem 400. Klöpfer Standpunkt: Herr Jenzer, statt vom Klöpfer spricht man bei Ihnen von der «Goldwurst». Ist das einfach nur eine gelungene Marketing strategie? • Christoph Jenzer: Als wir den Claim «Dä mit de Goldwürscht» 1991 kreein Gold vreneli. So entstand der bis heute geltende Qualitätsbegriff «Goldwurst». Natürlich ist es Marketing, doch ohne qualitativ hochstehende Produkte hätte jede noch so ausgeklügelte Werbeidee sehr kurze Beine. Wir sind stolz, dass wir bereits für verschiedene Fleischerzeugnisse mit Gold und anderen Preisen ausgezeichnet worden sind. Vor 70 Jahren gab es in Arlesheim noch vier lokale Metzger, seit 1990 nur noch Ihren Betrieb. • Das ist richtig. Vor 25 Jahren existierten schweizweit noch fast 4000 Betriebe. Unterdessen ist die Tausendergrenze klar unterschritten. Pro Woche wird ein Betrieb geschlossen. Entweder, weil die Grossisten immer präsenter werden, oder weil die Nachfolger für die Geschäftsübernahme fehlen. Eine gesicherte Betriebsnachfolge dürfte alleine nicht ausreichen. Welches ist Ihr Erfolgsrezept? • Eine gelebte Familientradition von mehr als 100 Jahren darf nicht unterschätzt werden. Wir verlassen uns aber nicht nur auf unser altbewährtes Handwerk, sondern passen es der Zeit an und setzen Trends um. So haben wir vor 30 Jahren den eigenen Schlachtbetrieb aufgegeben und uns seither konsequent auf die Fleischveredelung konzentriert. Seit 1995 verkaufen wir nur noch Fleisch aus besonders artgerechter Tierhaltung. Mit einem ganzheitlichen Konzept, das wir «Jenzer-NATURA-Qualität» nennen, versuchen wir jeden Tag, die Qualität unserer Produkte zu optimieren. Im letzten Jahr wurden Sie zum «Zukunftsträger 2016 – Lehrmeister des Jahres» gewählt. • Darüber habe ich mich sehr gefreut. Eine konsequente und zeitgemässe Ausbildung des beruflichen Nachwuchses ist ebenso wichtig für den Erfolg eines Betriebs wie die Qualität der Produkte. In den vergangenen 20 Jahren haben wir 40 Lernende ausgebildet. Wir gelten als führender Ausbildungsbetrieb für angehende Betriebsleiter und Metzgermeister in der Schweiz. Interview: Marcel W. Buess

RATGEBER Haus der Wirtschaft -– Dienstleistungs- und Kompetenz-Zentrum für KMU aus Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie 5. Mai 2017 – Schweizerische Gewerbezeitung BL 11 WIRTSCHAFTSFORUM Nachhaltiges Wachstum in sich ändernder Welt Das «European Experts Economic Forum – EEEF» will der Gesellschaft und insbesondere Jungunternehmerinnen und -unternehmern neue Wege zu nachhaltigem Wachstum in einer sich schnell ändernden Welt aufzeigen. Die Tagung vom kommenden 26. Mai im Kongresszentrum Basel wird von der Junior Chamber International (JCI) Basel organisiert. Zu den sechs Keynote-Sprechern gehört auch Michael Møller, Generaldirektor der UNO in Genf. Møller referiert darüber, welche Rolle die Jugend und die Wirtschaft beim Erreichen der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der UNO spielen. Ein weiteres Referat hält Daniel Enz. Er ist einer der 100 besten Verkaufstrainer Europas, wie es im Programm heisst. Enz führt die Teilnehmenden in seinem Vortrag durch die emotionalen Höhen und Tiefen eines Verkäufers. Gemma Aiofli, Head of Compliance, Corporate Governance and Collective Action am Basel Institute on Governance, referiert über Good Governance und Antikorruptionsmassnahmen in mittelgrossen Unternehmen. ra European Experts Economic Forum – EEEF, 26. Mai 2017, 8 bis 17.15 Uhr, Kongresszentrum Basel, Teilnahmegebühr (inkl. Mittagessen): 149 Franken. Weitere Informationen im Internet unter untenstehender Adresse. LINKS www.eeef.ch RATGEBER RECHT – Der Arbeitgeber darf sich die Gesundheitsdaten der Arbeitnehmenden nur beschaffen, wenn die Angaben für die Durchführung des Arbeitsvertrags erforderlich sind. Die Gesundheitsdaten sind geschützt Krankheit und Unfall waren im Jahr 2015 mit einem Anteil von 77 Prozent die – Ferien ausgenommen – statistisch erheblichsten Abwesenheitsgründe der Arbeitnehmenden in der Schweiz. Die gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit führt beim Arbeitgeber zu unmittelbaren Konsequenzen. So gilt die Lohnfortzahlungspflicht und eine Kündigungssperre. Der Arbeitgeber hat deshalb ein berechtigtes Interesse an der Beschaffung von Gesundheitsdaten der erkrankten Mitarbeitenden, um die Dauer und das Ausmass der Krankheit in Erfahrung zu bringen. Doch welche Informationen darf der Arbeitgeber berechtigterweise einholen, und wie beschafft er sich diese Angaben? Nadja Knecht, Substitut bei der Kanzlei LEX ­PARTNERS. MCS. Besonders schützenswerte Daten Als Gesundheitsdaten werden Informationen über medizinische Befunde im weitesten Sinne bezeichnet, die einen direkten oder indirekten Rückschluss auf den psychischen oder körperlichen Gesundheitszustand eines Menschen erlauben. Gesundheitsdaten gelten gemäss Datenschutzrecht als besonders schützenswerte Personendaten. Deren Erhebung unterliegt deshalb restriktiven Voraussetzungen: sie hat stets geeignet, erforderlich und für den Zweck angemessen zu sein sowie für die betroffene Person transparent zu erfolgen. Regelung im Arbeitsvertragsrecht Speziell im Arbeitsvertragsrecht werden die Bedingungen für die Beschaffung von Gesundheitsdaten während des Arbeitsverhältnisses konkretisiert. Demnach ist eine Gesundheitsdatenerhebung nur zulässig, wenn sie für die Durchführung des Arbeitsvertrags erforderlich ist und der Persönlichkeitsschutz der Angestellten gewahrt bleibt. Arztzeugnis liefert wichtige Daten Fällt der Arbeitnehmer wegen Krankheit aus, liefert das Arztzeugnis, welches der Arbeitgeber gestützt auf den Arbeitsvertrag oder das Personalreglement verlangen kann, wichtige Gesundheitsdaten. Diese erlauben es, den Grad der Arbeitsunfähigkeit festzustellen. Das Arztzeugnis enthält Angaben über den Bestand der Erkrankung, den Beginn und die Dauer der Krankheit sowie den Grad der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit. Sind Mitarbeitende wegen einer Krankheit nur teilweise arbeitsunfähig, kann für den Arbeitgeber ein sogenanntes ausführliches Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Interesse sein. Es gibt darüber Auskunft, welche Tätigkeiten vom Arbeitnehmer trotz bestehender Krankheit ausgeführt werden dürfen, wie hoch die Präsenzzeit sein darf oder wie die Arbeitszeit auszugestalten ist. Kosten trägt der Arbeitgeber Für diese ausführliche Beurteilung sind dem Arzt vorgängig die nötigen Unterlagen über das Arbeitsplatzprofil zuzustellen. Die Kosten zur Erstellung eines solchen Zeugnisses trägt der Arbeitgeber. LEGAL-TEAM Nadja Knecht ist Mitarbeiterin von Christoph Mettler in der Kanzlei LEXPARTNERS.MCS. Letzterer ist Partner im Legal-Team der Wirtschaftskammer. Das Legal-Team steht den Mitgliedern der Wirtschaftskammer für Auskünfte zur Verfügung. Es ist erreichbar unter der Telefonnummer 061 927 66 70 oder via E-Mail an dessen Leiterin, Fürsprecherin Barbara Gfeller: b.gfeller@kmu.org.

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