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Standpunkt 499, 20.03.2020

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Eine Publikation der Wirtschaftskammer Baselland

Standpunkt 499,

SCHWEIZERISCHE 20. März 2020 Die Zeitung für KMU | Regionalbund | Standpunkt-Ausgabe Nr. 499 – 23. Jahrgang AZA 4410 Liestal CORONAVIRUS – Die KMU-Landschaft ist vom Coronavirus hart betroffen und braucht Unterstützung. Unbürokratisch. Genügend. Sofort. Wir befinden uns in einer Krisensituation, wie sie die Schweiz seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. In dieser Situation ist das oberste Ziel von Bund und Kanton, die Menschen zu schützen. Dabei können sie ohne Wenn und Aber auf die solidarische Unterstützung der Wirtschaftskammer zählen. Aufgabe der Wirtschaftskammer ist – speziell in dieser ausserordentlichen Zeit – ihren Mitgliedern zur Seite zu stehen und zu helfen. Das Team der Wirtschaftskammer hat in den vergangenen Tagen auf die Anliegen der Mitglieder reagiert und erste Massnahmen und Projekte ins Leben gerufen. Nachdem die Kantonsregierung am Sonntag die Massnahmen verschärft hat, wurde umgehend eine Hotline für KMU eingerichtet. Alleine am ersten Tag gab es zwischen 7 und 23.30 Uhr mehr als 200 Anrufe. Der Andrang ist seither ungebrochen. Das Informationsbedürfnis seitens der Unternehmen ist ebenso so gross, wie die Verunsicherung. Die Wirtschaftskammer deckt mit Ihren Mitteln dieses Bedürfnis so gut wie immer nur möglich ab. Auf www.kmu.org stellt die Wirtschaftskammer aktuell die wichtigsten Infos zu den verschiedenen Aspekten dieser Krise bereit. Was müssen Grenzgänger tun? Was ist mit der Finanzhilfe? Wie geht Kurzarbeit? Wir stützen uns dabei auf unser Know-how und die Informationen der Behörden, die wir wo nötig einfordern. Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns auf der Hotline 061 927 64 64. KMU helfen KMU Auf Facebook haben wir die Gruppe «KMU helfen KMU #wirzusammen» gegründet. Hier können Unternehmen sich vernetzen, Ideen entwickeln, Ideen austauschen. Seien Sie kreativ, jede «Bieridee» (siehe Seite 11) die hilft, ist eine gute Idee. Im Pandemieplan des Bundes nimmt das Thema Wirtschaft wenig Raum ein. Bei uns wird das Thema Wirtschaft ganz gross geschrieben. Wir müssen nicht nur ein Virus bekämpfen und die Gesundheit der Menschen schützen. Wir sind mitten im Kampf um unsere Wirtschaft und damit um die Existenz von Menschen und Gesellschaft. Das ist eine Jahrhundertaufgabe. Frankreich will alle nötigen Mittel zur Verfügung stellen, bis hin zur Verstaatlichung von Unternehmen. Deutschland will «alle Waffen auf den Tisch legen», um die Wirtschaftskrise zu bekämpfen. Schweden hat umgehend ein Hilfspaket von 30 Milliarden Euro bereitgestellt. Die USA gehen von einer Billion Dollar aus. In der Schweiz forderten ETH-Professoren am Mittwoch einen Fonds in Höhe von 100 Milliarden Franken. Womit Sie näher an der Realität liegen dürften, als die Soforthilfe des Bundes, der 10 Milliarden gesprochen hat. Unsere Forderungen Lassen wir die Zahlen mal beiseite. Tatsache ist, dass viele Unternehmer in allen Branchen, aller Rechtsformen und aller Grössen um ihre Existenz fürchten müssen. Die Wirtschaftskammer erhält laufend Mails und Anrufe von Firmen und Selbständigen, die Hilfe brauchen. Hilfe heisst Geld. Rasch. Sofort. Umgehend. Unbürokratisch. Unkompliziert. Und im notwendigen Umfang. So wie es beispielsweise der Freistaat Bayern macht: Ein einfaches Formular auf zwei Seiten, das man elektronisch übermitteln kann. Die Wirtschaftskammer will auch die Anliegen der KMU bündeln und gegenüber der Regierung des Kantons vertreten. Im Fokus stehen derzeit folgende Forderungen: 1. Finanzielle Soforthilfe für alle betroffenen Unternehmen und deren Angestellte. Sei es in Form von Krediten, Bürgschaften oder Darlehen. Diese Soforthilfe muss auch die Möglichkeit von Kurzarbeit für Freiberufler, Selbständige und Mikrounternehmen beinhalten. 2. Das Arbeitsrecht muss vorübergehend flexibilisiert werden. Damit beispielsweise auch ein Dreischichten-Betrieb möglich ist, um eine Firma am Leben zu erhalten. 3. Der Kanton muss die Bruttolöhne der Lernenden übernehmen. Helfen heisst auch vereinfachen. Es kann nicht sein, dass Grenzgänger stundenlang an der Grenze stehen und ihren Betrieben – auch dem Gesundheitswesen – nicht zuverlässig zur Verfügung stehen können. Die Wirtschaftskammer hat dem Kanton deshalb ein Vignettensystem angeregt. Der Kanton prüft nun das Anliegen. Das muss rasch passieren, innert wenigen Tagen. Die Binsenweisheit von den aussergewöhnlichen Zeiten, die aussergewöhnliche Massnahmen erfordern, muss nun rasch von allen Akteuren gelebt werden. Selbstverständlich ist das alles eine rollende Planung, die laufend angepasst werden muss. Und ebenso selbstverständlich ist, dass ohne Denkverbot gedacht werden muss. Die Schweiz, der Kanton Baselland und die KMU – wir können diese Jahrhundertaufgabe bewältigen. Aber wir müssen zusammenarbeiten, zusammenstehen und rasch vorwärts machen. Patrick Herr Diese Zeitung ist am 18. März, 12 Uhr, in Druck gegangen. Einige Informationen sind eventuell bereits von der Aktualität überholt. Die Wirtschaftskammer Baselland informiert laufend auf ihrer Website und auf Facebook. Website: www.kmu.org Facebook: wirtschaftskammer.bl EDITORIAL KMU Wirtschaft ist «too big to fail» Von Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland. Leere Regale, Aktienmärkte auf Talfahrt, Grafiken über die Ausbreitung des Virus, die aussehen wie ein sehr steiler Berg. Der Gedanke, dass jemand aus dem Kreise der eigenen Liebsten an der Ansteckung sterben könnte. Es sind Gefühle der Beklemmung und der Angst, die uns alle befangen – es ist grad ein bisschen viel aufs Mal. Trotzdem müssen viele von uns weiter arbeiten. Wir müssen weiter unsere Kinder erziehen und wir müssen so tun, als seien die Dinge weitgehend normal. In dieser Situation sind das oberste Ziel und die erste Aufgabe von Bund und Kanton, die Menschen zu schützen. Dabei können sie ohne Wenn und Aber auf die solidarische Unterstützung der Wirtschaftskammer zählen. Intensivierte Kommunikation erforderlich Der Umgang mit derartigen Krisenereignissen ist immer auch eine Herausforderung für eine Gesellschaft. Abgesehen von wenigen «Ausreissern», wie den Hamsterkäufen in den Läden, beindrucken mich die bisherige Solidarität und Disziplin der Bevölkerung. Um diese Stimmung beibehalten zu können, bedarf es nicht nur kluger politischer Entscheide, sondern auch einer merklich intensivierten Kommunikation und Präsenz der Entscheidungsträger sowie genügend Anlaufstellen zur Beantwortung von vorhandenen Fragen. KMU Wirtschaft im Schock-Zustand Die Wirtschaftskammer hat seit Montagmorgen früh eine spezielle Hotline für die regionalen KMU eingerichtet. Seither klingeln die Telefone, und wir kriegen die Gemütslage unserer Unternehmen in dieser schwierigen Zeit unmittelbar mit. Das Wort, das mir in den Sinn kommt, um den Zustand der betroffenen Unternehmerinnen und Unternehmer zu beschreiben ist Schock. Das ist kein Wunder, verdienen doch viele Unternehmen seit der behördlich verordneten Zwangsschliessung keinen einzigen Franken Umsatz mehr. Die meisten Unternehmen werden die Märzlöhne noch bezahlen können. Der April sieht aber schon ganz anders aus. «Zu spät, zu wenig, zu ungefähr» Es geht nun darum, unter allen Umständen einen Domino­ Effekt zu verhindern. Denn es sind bei weitem nicht «nur» jene Betriebe betroffen, die Ihre Produktion einstellen mussten. Beginnen die Steine zu fallen, werden die Folgen der Krise schon bald eine zweite, viel grössere Betroffenheits-Welle bei sämtlichen Unternehmen auslösen. Mit Blick auf vergangene Krisen und deren Lehren kommt mir der ehemalige SPD Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in den Sinn. Dieser griff die Merkel-Regierung im September 2012 wegen deren Umgang mit dem Griechenland-Hilfspaket frontal an mit den Worten «zu spät, zu wenig, zu ungefähr». Genau das darf nicht passieren. Regierung gefordert Ich schreibe dieses Editorial am Mittwochmittag. Gestern Abend konnte eine Delegation der Wirtschaftskammer bei der Regierung vorsprechen. Dabei haben wir nicht nur die enorme Dringlichkeit der Finanzhilfe-Massnahmen herausgestrichen, sondern vor allem auch auf die unbürokratische Ausweitung der Unterstützungsmassnahmen gepocht. Nachdem die Regierung quasi als Vorreiterin, in aller Konsequenz und führungsstark eine Schliessung etlicher Branchen beschlossen hat, ist sie nun aufgefordert, genau so gradlinig für die Rettung der KMU-Wirtschaft einzustehen. Die Schweiz hat bekanntlich schon Erfahrung mit der Rettung von Banken und der eigenen Airline. Bei der Finanzindustrie hiess es damals, es handle sich um eine Frage der Systemrelevanz. Der nun vorhandene Schaden und vor allem die Auswirkungen mit der riesigen Zahl von betroffenen Mitarbeitenden, Lernenden und Unternehmen sind um einiges grösser. Deshalb ist es für Bundes rat und Regierungen nichts als angebracht, auch bei der Realwirtschaft hinzustehen und zu sagen: «too big to fail». Jetzt handeln Die Wirtschaftskammer steht zur Mithilfe bereit. Es sind ungemütliche, aber notwendige Überlegungen und Schritte, die angestellt bzw. getan werden müssen. Und die Massnahmen müssen rasch umgesetzt werden. Ihnen, liebe Mitglieder, verspreche ich, dass wir mit viel Druck «dranbleiben» werden. Behalten Sie derweil kühlen Kopf. Und wenden Sie sich bei Fragen an uns – wir sind für Sie da.

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